Повышенная чувствительность (гиперчувствительность)
Reizoffenheit (Hypersensitivität) bedeutet, dass manche Kinder mit ADHS Sinneseindrücke deutlich intensiver wahrnehmen als andere, etwa laute Geräusche oder das Etikett im T-Shirt. Das Kind strengt das enorm an. Oft spürt die ganze Familie die Folgen im Alltag.
Определение
Reizoffenheit (Hypersensitivität): Was steckt dahinter?
Stellen Sie sich vor, das Summen der Heizung klingt genauso laut wie das Gespräch am Tisch. Gleichzeitig kratzt das Etikett im T-Shirt wie Schmirgelpapier, und jede Bewegung im Raum drängt sich ins Blickfeld. Nichts davon lässt sich ausblenden. So sieht der Alltag eines Kindes mit Reizoffenheit aus.
Reizoffenheit bedeutet, dass das Nervensystem eines Kindes eingehende Reize weniger gut filtert und dämpft. Alles kommt nahezu ungefiltert an, lauter und greller als bei den meisten anderen Menschen.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Reizoffenheit äußert sich von Kind zu Kind anders. Ein paar typische Beispiele:
- Geräusche: Das Kind hält sich bei lauter Musik die Ohren zu oder kann sich bei Hintergrundgeräuschen kaum konzentrieren. In der lauten Schulpause kippt schnell die Stimmung.
- Kleidung und Berührung: Nähte in den Socken oder ein kratziger Pullover fühlen sich unerträglich an. Das Anziehen wird so jeden Morgen zur Kraftprobe.
- Licht: Helles Licht, etwa von Bildschirmen oder direkter Sonne, macht das Kind schnell erschöpft oder gereizt.
- Essen: Bestimmte Texturen und Gerüche lösen starke Abwehrreaktionen aus, oft auch ungewohnte Geschmäcker.
- Emotionale Reize: Kritik oder Ablehnung treffen tiefer und wirken länger nach als bei anderen Kindern. Auch Stress in der Familie kommt ungebremst an.
Was hat das mit ADHS zu tun?
Reizoffenheit ist kein offizielles ADHS-Kriterium. Sie kommt bei Kindern mit ADHS aber häufiger vor als im Durchschnitt. Der Grund liegt vermutlich in der Art, wie das Gehirn Reize verarbeitet und reguliert. Bei ADHS arbeitet die sogenannte Reizfilterung weniger zuverlässig, also die Fähigkeit, Unwichtiges auszublenden. Das kostet enorm viel Energie. Nach außen kann das wie Aggression oder Sturheit wirken, manchmal auch wie reines Theater.
Ihr Kind stellt sich dabei nicht an. Es nimmt die Welt tatsächlich so intensiv wahr, und genau das erschöpft.
Was hilft im Alltag?
Als Elternteil können Sie einiges tun, um die Reizlast Ihres Kindes zu senken:
- Reize reduzieren: Gestalten Sie Umgebungen ruhiger, wo es geht. Bei den Hausaufgaben hilft es zum Beispiel schon, Radio und Fernseher auszuschalten.
- Vorbereitung hilft: Kündigen Sie an, was kommt, etwa mit einem Satz wie „Gleich wird es laut". So kann sich Ihr Kind innerlich wappnen.
- Rückzugsorte schaffen: Ein ruhiger Platz, an den sich Ihr Kind zurückziehen kann, wenn alles zu viel wird, ist Gold wert.
- Kleidung gemeinsam aussuchen: Lassen Sie Ihr Kind mitentscheiden. Weiche Materialien ohne störende Nähte und lockere Schnitte machen den Morgen leichter.
- Gefühle ernst nehmen: Sätze wie „Stell dich nicht so an" helfen nicht weiter. Besser: „Ich sehe, dass dich das gerade wirklich stresst."
Wann lohnt sich ein nächster Schritt?
Vielleicht belastet die Reizoffenheit Ihren Familienalltag stark, etwa durch tägliche Ausraster, Schlafprobleme, Verweigerung beim Anziehen oder Essen oder extreme Erschöpfung nach der Schule. Dann lohnt es sich, das fachlich abklären zu lassen. Eine Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) oder ein Kinder- und Jugendpsychotherapeut kann einordnen, was hinter der Reizoffenheit steckt und ob zum Beispiel auch eine Sensorische Verarbeitungsstörung eine Rolle spielt.
Im Coaching bei Rückenwind-Eltern entwickeln Sie zunächst Strategien für den Alltag und lernen besser einzuschätzen, was Ihr Kind gerade braucht. Von dort aus wird klarer, welcher nächste Schritt zu Ihrer Familie passt.