Refusal to Eat (Without a Diagnosis)
Essensverweigerung beschreibt das beharrliche Ablehnen von Mahlzeiten oder bestimmten Lebensmitteln durch ein Kind. Eine ärztliche oder psychologische Diagnose muss dafür nicht vorliegen. Die Ursachen sind unterschiedlich, und für viele Familien wird das tägliche Essen dadurch zur Belastung.
Definition
Essensverweigerung: wenn Kinder nicht essen wollen
Ihr Kind dreht den Kopf weg, presst die Lippen zusammen oder verlässt weinend den Tisch. Viele Eltern kennen solche Szenen nur zu gut. Essensverweigerung meint das wiederholte oder anhaltende Ablehnen von Mahlzeiten, Lebensmitteln oder ganzen Lebensmittelgruppen durch ein Kind, ohne dass es dafür bisher eine ärztliche Diagnose gibt.
Essensverweigerung ist zunächst einmal ein Verhalten, keine Diagnose. Dass Kinder in bestimmten Phasen wählerisch essen, gehört zur normalen Entwicklung, besonders zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr. Wann es mehr als eine Phase ist, lässt sich pauschal nicht sagen.
Wie zeigt sich Essensverweigerung im Alltag?
- Das Kind isst bei den Mahlzeiten kaum oder gar nichts
- Bestimmte Lebensmittel, Konsistenzen, Farben oder Gerüche werden konsequent abgelehnt
- Mahlzeiten werden zum Machtkampf oder enden in Tränen, bei Kind und Eltern
- Das Kind isst nur eine sehr kleine Auswahl an Lebensmitteln
- Essen an fremden Orten wie Kita, bei Oma oder im Restaurant klappt kaum
Mögliche Hintergründe
Die Ursachen für Essensverweigerung sind von Kind zu Kind verschieden. Mögliche Hintergründe können sein:
- Entwicklungsphase: Kleinkinder erleben eine natürliche Phase der Nahrungsneophobia, also die Scheu vor neuen Speisen.
- Sensorische Empfindlichkeiten: Manche Kinder reagieren sehr empfindlich auf bestimmte Texturen, Gerüche oder Temperaturen.
- Körperliche Ursachen: Schmerzen beim Schlucken, Unverträglichkeiten oder ein schlechtes Körpergefühl können dazu führen, dass Kinder Essen meiden.
- Emotionale Belastung: Stress, Veränderungen im Alltag oder Anspannung in der Familie wirken sich manchmal auf das Essverhalten aus.
- Kontrolle und Autonomie: Gerade bei Kleinkindern kann Essen der Bereich sein, in dem sie ihre Selbstständigkeit ausdrücken.
- Schlechte Erfahrungen: Zum Beispiel Würgen, Erbrechen oder Druck beim Essen in der Vergangenheit.
Was ist der Unterschied zu einer Essstörung?
Essensverweigerung als Verhalten ist nicht dasselbe wie eine Essstörung (Fachbegriff: Eating Disorder, ICD-10: F50). Eine Diagnose kann und darf nur eine Fachperson stellen, zum Beispiel ein Kinder- und Jugendpsychiater, ein Kinderarzt oder eine Kinder- und Jugendpsychotherapeutin. Wenn Sie sich Sorgen machen, ob hinter dem Essverhalten Ihres Kindes mehr steckt, ist eine solche Abklärung der richtige Weg.
Auch das Symptom Appetitlosigkeit (medizinisch: Anorexia als Symptom, ICD-10: R63.0) kann ein Hinweis sein und sollte ärztlich abgeklärt werden. Mit der Diagnose Anorexia Nervosa (Magersucht) hat das nichts zu tun.
Was hilft Eltern im Alltag?
- Druck rausnehmen: Mit wachsendem Druck am Tisch wird das Essen für viele Kinder noch schwieriger. Das klingt leichter, als es ist. Sie müssen das nicht alleine herausfinden.
- Regelmäßigkeit schaffen: Feste Essenszeiten ohne Ablenkung, also ohne Bildschirm, können helfen.
- Kleine Schritte: Neue Lebensmittel werden oft erst nach vielen, vielen Begegnungen akzeptiert. Zwang beschleunigt das nicht.
- Auf das Kind schauen, nicht auf den Teller: Ein Kind, das sich wohl fühlt und gut entwickelt, braucht möglicherweise gerade mehr Geduld als Ratschläge.
Wann zum Arzt oder zur Fachperson?
Bitte sprechen Sie mit dem Kinderarzt oder einer Fachperson, wenn:
- Ihr Kind deutlich an Gewicht verliert oder nicht zunimmt
- das Essverhalten sich stark verschlechtert oder sehr plötzlich verändert hat
- Ihr Kind körperliche Beschwerden beim Essen hat
- die ganze Familie über einen langen Zeitraum stark belastet ist
Als Elternteil merken Sie am besten, wann etwas nicht stimmt. Vertrauen Sie diesem Gefühl und holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie sie brauchen. Im Eltern-Coaching bei Rückenwind-Eltern können Sie schauen, wie Sie die Situation zuhause entlasten. Für die Abklärung, ob eine Diagnose vorliegt, ist eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder -psychotherapie die richtige Anlaufstelle.