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Sensory Overload

Reizüberflutung bedeutet: Das Gehirn muss zu viele Eindrücke auf einmal verarbeiten und kommt irgendwann nicht mehr hinterher. Bei Kindern mit ADHS passiert das schneller und heftiger, denn ihr Gehirn filtert Reize weniger gut.

Definition

Reizüberflutung: wenn der Kopf einfach zu voll wird

Stellen Sie sich vor, Sie hätten keine Lautstärketaste. Alles kommt gleichzeitig rein: das Radio im Hintergrund, das Gespräch nebenan, das Summen der Heizung, das bunte Durcheinander auf dem Tisch, dazu der Hunger im Bauch. Und jetzt soll Ihr Kind in diesem Zustand Mathe-Hausaufgaben machen. Für viele Kinder mit ADHS ist das kein Gedankenexperiment, sondern ein ganz normaler Dienstag.

Was Reizüberflutung eigentlich bedeutet

Das Gehirn nimmt ständig Informationen auf: was wir sehen, hören, fühlen, riechen und spüren. Normalerweise filtert es dabei. Unwichtiges rückt in den Hintergrund, Wichtiges nach vorne. Bei Kindern mit ADHS arbeitet dieser Filter anders. Er lässt mehr durch. Vieles landet gleichzeitig ganz vorne, und das Gehirn kommt mit dem Sortieren nicht hinterher.

Dann ist der Kopf buchstäblich zu voll. Man spricht von Reizüberflutung.

Wie sich das im Alltag zeigt

Reizüberflutung sieht nicht bei jedem Kind gleich aus. Manche drehen richtig auf, werden laut, zappelig, unberechenbar. Andere ziehen sich zurück, werden still, weinen plötzlich oder wirken wie weggetreten. In beiden Fällen reagiert das Nervensystem auf zu viel auf einmal.

Typische Situationen, in denen es Kinder mit ADHS häufig erwischt:

  • Volle, laute Räume wie die Schulkantine, Geburtstagsfeiern oder Einkaufszentren
  • Der Abend nach einem langen Schultag, wenn die Erschöpfung die letzten Reserven aufbraucht
  • Momente, in denen mehrere Dinge gleichzeitig passieren oder erwartet werden
  • Phasen mit viel Neuem, viel Stress oder wenig Schlaf

Hinter scheinbarem Trotz steckt oft Erschöpfung

Viele Eltern kennen das: Nach der Schule ist das Kind gereizt, aggressiv oder untröstlich, obwohl scheinbar gar nichts passiert ist. Was von außen wie Launenhaftigkeit aussieht, ist oft das Ergebnis eines langen Tages voller Reize, den das Kind mühsam zusammengehalten hat. Zu Hause, im sicheren Rahmen, bricht die Anspannung dann heraus.

Dafür gibt es sogar einen Namen: „After-School-Restraint Collapse". Das Kind reißt sich den ganzen Tag zusammen und fällt zuhause auseinander. Dahinter steckt kein Versagen, sondern ein erschöpftes Nervensystem.

Was Sie als Eltern tun können

Sie können Reizüberflutung nicht immer verhindern. Sie können aber Bedingungen schaffen, die Ihrem Kind helfen:

  • Ankommen lassen: Nach der Schule erst mal Zeit ohne Anforderungen. Ohne Fragen, ohne Aufgaben, einfach nur da sein.
  • Reizarme Rückzugsorte: Ein ruhiger Platz mit gedämpftem Licht, an dem wenig los ist. Gedacht als Ausweichmöglichkeit, nie als Strafe.
  • Übergänge ankündigen: Wer weiß, was als Nächstes kommt, muss weniger gleichzeitig im Kopf verwalten.
  • Benennen statt bewerten: „Du bist gerade total überwältigt, oder?" kommt anders an als „Jetzt reiß dich mal zusammen."

Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist

Kommt Reizüberflutung sehr häufig vor, belastet sie den Alltag stark oder geht sie mit heftigen Ausbrüchen einher, lohnt sich ein gemeinsamer Blick mit Fachleuten. Ob und wie ausgeprägt eine ADHS vorliegt, kann nur eine kinder- und jugendpsychiatrische oder -psychotherapeutische Fachkraft einschätzen. Der Weg dorthin kann ein guter erster Schritt sein.

Im Coaching bei Rückenwind-Eltern stehen keine Diagnosen im Mittelpunkt, sondern Ihr Alltag: Was hilft Ihrer Familie in solchen Momenten, damit am Ende des Tages nicht alle erschöpft sind?

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