diagnose F93 ca. 3 Min. Lesezeit

Emotionale Störungen im Kindesalter

Emotionale Störungen des Kindesalters (ICD-10 F93) sind eine Gruppe kindlicher Ängste wie Trennungsangst, die stärker ausfallen als entwicklungsübliche Ängste und den Alltag des Kindes einschränken.

Inhalt

Was sind emotionale Störungen des Kindesalters?

Emotionale Störungen des Kindesalters ist ein Sammelbegriff aus der internationalen Klassifikation ICD-10 (dem Diagnoseschlüssel der WHO). Er trägt dort das Kürzel F93 und fasst Ängste und emotionale Belastungen zusammen, die im Kindesalter beginnen und über das entwicklungsübliche Maß hinausgehen.

Unter F93 fallen mehrere Formen:

  • F93.0 Trennungsangst: die Furcht, von einer engen Bezugsperson getrennt zu werden, steht im Mittelpunkt.
  • F93.1 Phobische Störung: eine für das Alter typische Angst, etwa vor Tieren oder Dunkelheit, die stark ausgeprägt bleibt.
  • F93.2 Soziale Ängstlichkeit: ausgeprägte Scheu und Angst gegenüber fremden Menschen.
  • F93.3 Geschwisterrivalität: anhaltende emotionale Auffälligkeiten nach der Geburt eines jüngeren Geschwisterkindes.

Der Begriff beschreibt also keine einzelne Krankheit, sondern eine Gruppe verwandter Angstbilder mit Beginn in der Kindheit.

Wo verläuft die Grenze zu normalen Entwicklungsängsten?

Angst gehört zur normalen Entwicklung. Sie verändert sich mit dem Alter und verschwindet meist von selbst. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit beschreibt typische Phasen:

  • Im ersten Lebensjahr: Fremdeln, Angst vor lauten Geräuschen und großer Höhe.
  • Im Kleinkindalter: Angst vor Tieren, Dunkelheit und dem Alleinsein.
  • Mit vier bis sechs Jahren: Fantasiegestalten wie Monster und Gespenster, dazu Naturphänomene wie Gewitter.
  • Im Schulalter: Sorgen rund um Schule, Leistung und Krankheit.

Eine Störung nach F93 liegt erst vor, wenn die Angst deutlich stärker ausfällt als bei Gleichaltrigen, über Monate anhält und den Alltag des Kindes einschränkt. Die generalisierte Angststörung und die eng verwandten Störungen sozialer Funktionen im Kindesalter (F94) führt das Diagnosesystem gesondert.

Woran erkennen Eltern eine behandlungsbedürftige Störung?

Ein einzelner ängstlicher Moment sagt wenig. Fachportale nennen Anhaltspunkte, die Eltern zusammen betrachten sollten:

  • Das Kind weint häufig, zieht sich zurück oder verstummt.
  • Es schläft schlecht, zittert oder klagt über Kopf- und Bauchschmerzen ohne körperliche Ursache.
  • Es vermeidet Situationen, Orte oder Menschen und schränkt sich dadurch immer weiter ein.
  • Die Angst hält über mehrere Monate an und wächst sich nicht aus.

Besonders die Vermeidung ist ein wichtiges Zeichen. Ein Kind, das aus Angst nicht mehr in die Schule oder zu Freunden geht, verliert Übung im Umgang mit der Situation, und die Angst festigt sich. Bei anhaltender Schulleistungsangst lohnt sich der genaue Blick.

Wie häufig ist das und wie entsteht es?

Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter. Nach der BELLA-Studie des Robert Koch-Instituts ist rund ein Zehntel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu einem Zeitpunkt von einer Angststörung betroffen.

Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Fachleute gehen von einem Zusammenspiel aus: einer angeborenen Neigung zu ängstlichem Temperament, belastenden Erfahrungen und dem Verhalten des Umfelds. Auch die Reaktion der Familie spielt mit. Darf ein Kind Angstsituationen dauerhaft ausweichen, bleibt die Angst bestehen. Ein Schuldvorwurf an Eltern folgt daraus nicht; das Wissen darüber hilft aber, im Alltag anders zu reagieren.

Was hilft, und wann Hilfe holen?

Als wirksamste Behandlung gilt die kognitive Verhaltenstherapie. Sie arbeitet mit mehreren Bausteinen:

  • Psychoedukation: Kind und Eltern verstehen, wie Angst funktioniert.
  • Exposition: Das Kind nähert sich der gefürchteten Situation in kleinen Schritten und erlebt, dass die Angst von allein nachlässt.
  • Elternbeteiligung: Eltern lernen, ängstliches Verhalten nicht ungewollt zu verstärken und Vermeidung behutsam abzubauen.

Medikamente, meist SSRIs, kommen erst infrage, wenn die Verhaltenstherapie nicht ausreicht.

Ob hinter den Ängsten eine Störung nach F93 steckt, lässt sich nur fachlich klären. Diese Einordnung und jede Diagnose gehören in die Hände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) oder einer ärztlichen beziehungsweise psychotherapeutischen Fachperson. Rückenwind Eltern begleitet euch als Coaching durch diese Zeit und ersetzt keine Diagnostik oder Therapie. Janike ist Sozialarbeiterin und Elterncoach in Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und stellt selbst keine Diagnosen.

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