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Interpersonelle Psychotherapie (IPT)

Die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) ist ein zeitlich begrenztes Verfahren, das bei Depression an zwischenmenschlichen Belastungen ansetzt: Rollenwechsel, Konflikte, Verlust und Einsamkeit. Für Jugendliche gibt es eine angepasste Form (IPT-A).

Inhalt

Was ist die Interpersonelle Psychotherapie?

Die Interpersonelle Psychotherapie (kurz IPT) ist eine strukturierte Kurzzeittherapie. Sie wurde ursprünglich für die Behandlung von depressiven Episoden entwickelt und gehört zu den wissenschaftlich am besten untersuchten Verfahren gegen Depression.

Der Grundgedanke: Eine Depression steht fast immer mit dem sozialen Umfeld in Verbindung. Ein Streit, der nicht endet. Ein Umzug. Der Tod eines Großelternteils. Die Therapie richtet den Blick auf diese Ereignisse und darauf, wie das Kind oder der Jugendliche mit den Menschen um sich herum zurechtkommt.

IPT ist von Anfang an befristet. Für die akute Behandlung sind meist 12 bis 20 Einzelsitzungen à etwa 50 Minuten vorgesehen. Das gibt der Behandlung einen klaren Rahmen und ein absehbares Ende. Die therapeutische Person arbeitet dabei aktiv und unterstützend mit und begleitet gezielt eine konkrete Belastung.

Die vier Themen, um die es geht

IPT konzentriert sich auf vier zwischenmenschliche Problembereiche. Zu Beginn wählen Therapeutin oder Therapeut gemeinsam mit dem Jugendlichen einen oder zwei davon aus, die gerade am meisten belasten:

  • Rollenwechsel und Lebensveränderungen: der Wechsel auf eine neue Schule, das Erwachsenwerden, veränderte Aufgaben in der Familie.
  • Zwischenmenschliche Konflikte: dauerhafte Reibung mit Eltern, Geschwistern, Freundinnen oder einer Clique.
  • Trauer und Verlust: eine unbewältigte Trauer nach einem Todesfall oder nach dem Ende einer wichtigen Beziehung.
  • Einsamkeit und soziale Defizite: Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen oder zu halten.

Diese enge Auswahl ist Absicht. Statt die ganze Lebensgeschichte aufzurollen, arbeitet die IPT an dem, was mit der aktuellen Verstimmung direkt zusammenhängt. Wer die Depression besser einordnen möchte, findet mehr dazu unter depressive Episode.

IPT bei Jugendlichen (IPT-A)

Für die Altersgruppe der Jugendlichen gibt es eine angepasste Variante, die IPT-A (das A steht für Adoleszente). Sie nimmt Rücksicht darauf, dass Jugendliche mitten in der Ablösung vom Elternhaus stecken und ihr soziales Leben stark über Freundeskreis, Schule und Handy läuft.

In der IPT-A werden deshalb oft Themen aufgegriffen, die im Alltag junger Menschen eine Rolle spielen: der Umgang mit Messenger-Diensten und sozialen Medien, Freundschaften, erste Beziehungen, Grenzen der Schweigepflicht. Auch die Verteilung von Verantwortung zwischen Jugendlichem, Eltern, Schule und behandelnden Fachleuten wird besprochen.

Anhaltende Einsamkeit und der Rückzug aus Kontakten sind häufige Auslöser. Mehr dazu steht unter Einsamkeit und soziale Isolation.

Was die Forschung zeigt

Für Erwachsene ist die Wirkung gut belegt: Aussagekräftige Studien zeigen, dass die IPT Beschwerden bei leichter bis mittelschwerer Depression verbessern kann. In der Behandlung von Depression gilt Psychotherapie als gleichwertig zu einer medikamentösen Behandlung, und die IPT zählt neben der kognitiven Verhaltenstherapie zu den wirksamen Verfahren.

Bei Kindern und Jugendlichen ist Psychotherapie ebenfalls ein zentraler Behandlungsweg. Die deutsche S3-Leitlinie zur Behandlung depressiver Störungen im Kindes- und Jugendalter beschreibt Psychotherapie, teils in Kombination mit Medikamenten, als tragende Säule. Bei einer leichten Depression kann zunächst abgewartet und beobachtet werden. Bei mittelschwerer bis schwerer Ausprägung kommen Psychotherapie oder Medikamente in Betracht.

Ein praktischer Hinweis für Eltern: Die IPT wird in Deutschland bislang eher selten angeboten und ist keine reguläre Kassenleistung. Fragen Sie bei der Suche gezielt nach dem Verfahren.

Die Rolle der Eltern

Eltern sind bei der IPT-A keine Zuschauer. Gerade weil das Verfahren an Beziehungen ansetzt, werden Eltern oft in einzelne Sitzungen einbezogen. Das kann so aussehen, dass ein Konflikt zu Hause besprochen wird oder dass Eltern lernen, wie sie einen Rollenwechsel des Kindes begleiten.

Was zu Hause hilft:

  • Termine ernst nehmen und verlässlich mittragen, ohne den Inhalt der Sitzungen auszufragen.
  • Dem Jugendlichen einen geschützten Raum lassen, in dem er offen über Freundschaften und Sorgen sprechen kann.
  • Beobachtungen ruhig ansprechen, etwa langen Rückzug ins Zimmer oder gekappte Kontakte, ohne Vorwürfe.

Depression ist keine Folge von Erziehungsfehlern. Sie entsteht aus vielen Faktoren zusammen. Eltern können den Weg aus der Verstimmung begleiten, ohne ihn allein tragen zu müssen.

Wann und wo Hilfe holen

Wenn eine gedrückte Stimmung länger als zwei Wochen anhält, wenn Ihr Kind sich stark zurückzieht, den Schlaf oder das Essen verändert oder Freude an allem verliert, sollten Sie eine Fachperson hinzuziehen. Erste Anlaufstellen sind die Kinderarztpraxis, eine kinder- und jugendpsychiatrische Praxis (KJP) oder eine ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Fachperson. Bei Hinweisen auf Selbstgefährdung gilt: sofort ärztliche Hilfe holen oder den Notdienst rufen.

Rückenwind Eltern begleitet Sie als Coaching an Ihrer Seite. Janike ist Sozialarbeiterin und Elterncoach in Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, sie ist nicht approbiert und stellt keine Diagnosen. Eine Diagnose und die Entscheidung für ein Therapieverfahren wie die IPT liegen ausschließlich bei einer Kinder- und Jugendpsychiatrie oder einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Fachperson.

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