Essstörungen F50 ca. 3 Min. Lesezeit

Gewichtswiederzunahme begleiten (Elternrolle in der Refeedingphase)

Refeeding ist die kontrollierte Wiederernährung nach dem Hungern bei Magersucht. Eltern geben Struktur bei den Mahlzeiten, die Steigerung der Nahrung gehört wegen des Refeeding-Syndroms in ärztliche Hand.

Inhalt

Was bedeutet Refeeding?

Refeeding heißt übersetzt Wiederernährung. Gemeint ist die Phase, in der ein Kind oder eine jugendliche Person nach längerem Hungern bei Magersucht (Anorexia nervosa) wieder regelmäßig und ausreichend isst, damit das Gewicht steigt.

Während des Hungerns fährt der Körper seinen Stoffwechsel herunter. Herzschlag, Kreislauf und Verdauung arbeiten auf Sparflamme. Wenn wieder mehr Nahrung kommt, muss sich der Körper langsam umstellen. Deshalb wird die Kalorienmenge in kleinen Schritten erhöht und nicht auf einmal.

In der stationären Behandlung liegt das Ziel oft bei einer Gewichtszunahme von etwa 0,3 bis 1 Kilogramm pro Woche. Diese Werte legt das Behandlungsteam fest und passt sie an den Zustand des Kindes an. Für Eltern ist das eine lange Strecke, auf der es Fortschritte und Rückschritte gibt.

Warum die Steigerung in ärztliche Hände gehört

Zu schnelles Zufüttern kann gefährlich werden. Fachleute sprechen vom Refeeding-Syndrom. Wenn ein ausgehungerter Körper plötzlich viele Kohlenhydrate bekommt, verschieben sich Mineralstoffe wie Phosphat, Kalium und Magnesium aus dem Blut in die Zellen. Die Werte im Blut fallen ab. Das kann Herzrhythmus, Muskeln und Nervensystem stören und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein.

Bei Anorexia nervosa entwickeln bis zu 28 Prozent der stationär behandelten Betroffenen eine solche Stoffwechselentgleisung. Deshalb beginnt die Ernährung in Risikofällen vorsichtig, oft im Bereich um 10 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, mit langsamer Steigerung. Elektrolyte werden in den ersten Tagen engmaschig kontrolliert, meist alle ein bis zwei Tage, und das Vitamin Thiamin wird ergänzt.

Wichtig für Eltern: Erhöhen Sie die Essensmengen niemals eigenmächtig zu Hause, um schneller ans Ziel zu kommen. Wie viel und wie schnell zugefüttert wird, entscheidet die betreuende Ärztin oder der Arzt anhand von Blutwerten und Herz-Kreislauf-Kontrollen.

Die Elternrolle bei den Mahlzeiten

In der familienbasierten Therapie (FBT) übernehmen Eltern in der ersten Phase bewusst die Verantwortung für das Essen. Nicht, weil das Kind unmündig wäre, sondern weil die Krankheit dem Kind diese Entscheidungen gerade zu schwer macht.

Struktur hilft: feste Essenszeiten, ruhige Umgebung, jemand sitzt dabei und bleibt auch nach dem Essen noch eine Weile in der Nähe. Die Portion kommt aus dem Ernährungsplan des Behandlungsteams und wird am Tisch nicht neu verhandelt. Gespräche über Kalorien, Gewicht oder Fett auf dem Teller lassen Sie beiseite. Reden Sie über den Schultag, den Hund, die Serie von gestern.

Diese Begleitung ist anstrengend und braucht oft zwei Erwachsene, die sich abwechseln. Genaues Hinschauen gehört dazu, ohne das Kind zu bedrängen (mehr dazu unter kontrolliertes Essen beobachten).

Widerstand und Angst des Kindes aushalten

Gewichtszunahme löst bei vielen Betroffenen starke Angst aus. Am Tisch kann das zu Weinen, Wut, Rückzug oder Verhandeln führen. Oft spricht in solchen Momenten die Krankheit, nicht der eigentliche Wunsch des Kindes.

Hilfreich ist eine ruhige, warme Haltung, die klar bleibt. Sie zeigen Verständnis für die Angst und halten trotzdem an der Mahlzeit fest. Kurze, freundliche Sätze wirken besser als lange Erklärungen. Diskussionen über die Menge führen selten weiter und kosten alle Kraft.

Planen Sie ein, dass es Tage mit Rückschritten gibt. Ein schwieriger Abend bedeutet keinen Rückfall in alte Muster (Hintergründe unter Rückfall aus Elternperspektive). Sprechen Sie schwierige Situationen im Behandlungsteam an, dort bekommen Sie konkrete Formulierungen und Strategien für den nächsten Versuch.

Wann und wo Hilfe holen?

Die Refeeding-Phase gehört an eine spezialisierte Stelle. Bei ausgeprägtem Untergewicht, schnellem Gewichtsverlust oder körperlichen Warnzeichen wie Schwindel, Herzstolpern oder Wassereinlagerungen ist ärztliche Kontrolle dringend nötig. Anlaufstellen sind die Kinder- und Jugendpsychiatrie, spezialisierte Ambulanzen für Essstörungen und die behandelnden Kinderärztinnen und Kinderärzte.

Rückenwind begleitet Sie als Eltern durch diese Zeit, ordnet ein und stärkt Ihnen den Rücken. Eine Diagnose stellen und die medizinische Wiederernährung steuern kann Rückenwind nicht. Das gehört ausschließlich in die Hände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie oder einer ärztlichen beziehungsweise psychotherapeutischen Fachperson.

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