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Magersucht (Anorexia Nervosa)

Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine ernste Essstörung mit starker Angst vor Gewichtszunahme und gefährlichem Untergewicht. So erkennen und begleiten Eltern ihr Kind.

Inhalt

Was bedeutet Magersucht?

Magersucht, medizinisch Anorexia nervosa (ICD-10: F50.0), ist eine ernste psychische Erkrankung aus der Gruppe der Essstörungen. Betroffene halten ihr Körpergewicht durch strenge Kontrolle des Essens dauerhaft zu niedrig. Im Mittelpunkt steht eine starke Angst davor, zuzunehmen oder einen zu dicken Körper zu haben. Diese Angst bleibt bestehen, auch wenn das Kind längst deutlich untergewichtig ist.

Viele Betroffene nehmen ihren Körper verzerrt wahr (Körperschemastörung): Sie fühlen sich zu dick, obwohl das Gewicht bereits gefährlich niedrig ist. Das Abnehmen gibt ihnen ein Gefühl von Kontrolle und Leistung. Magersucht zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Jugendalter. Sie beginnt meist zwischen 14 und 18 Jahren und betrifft überwiegend Mädchen und junge Frauen, kann aber auch Jungen und jüngere Kinder treffen.

Woran erkennen Eltern eine Magersucht?

Eine Magersucht entwickelt sich oft langsam und beginnt harmlos, etwa mit dem Wunsch, gesünder zu essen oder etwas abzunehmen. Aufmerksam sollten Eltern werden, wenn mehrere dieser Zeichen zusammenkommen:

  • deutlicher Gewichtsverlust oder ausbleibende Gewichtszunahme im Wachstum
  • Weglassen ganzer Lebensmittelgruppen, sehr kleine Portionen, langsames Essen, Ausreden bei Mahlzeiten
  • ständiges Beschäftigen mit Kalorien, Gewicht und Figur
  • viel Sport, auch heimlich, und Unruhe beim Stillsitzen
  • Rückzug von Freunden, gereizte Stimmung, hohe Ansprüche an sich selbst
  • bei Mädchen: Ausbleiben der Regelblutung, ständiges Frieren, Haarausfall

Viele Kinder verbergen die Krankheit und spielen Beschwerden herunter. Ein häufiges Merkmal ist, dass sie die eigene Erkrankung nicht als solche wahrnehmen (siehe Krankheitsuneinsichtigkeit). Gespräche über den Körper werden dann schnell abgewehrt.

Wie entsteht Magersucht?

Magersucht hat nicht eine einzige Ursache. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren, und kein Elternteil ist daran schuld.

  • Veranlagung: Verwandte ersten Grades von Betroffenen haben ein deutlich erhöhtes Risiko. Auch das Botenstoffsystem im Gehirn spielt eine Rolle.
  • Persönlichkeit: Perfektionismus, Ängstlichkeit und ein niedriges Selbstwertgefühl kommen häufig vor.
  • Lebensphase: Die körperlichen und sozialen Veränderungen der Pubertät können die Erkrankung anstoßen.
  • Umfeld: Schlankheitsdruck in sozialen Medien und Gesellschaft wirkt besonders auf Jugendliche mit geringem Selbstwert.

Das Hungern verändert zusätzlich den Körper und das Gehirn. Dadurch verstärken sich Ängste und starres Denken, und die Erkrankung hält sich selbst am Laufen. Das erklärt, warum ein Kind mit gutem Zureden allein selten wieder herausfindet.

Was hilft bei Magersucht?

Magersucht ist behandelbar, und die Aussichten sind umso besser, je früher die Behandlung beginnt. Die Therapie verbindet zwei Ziele: das Gewicht auf einen sicheren Bereich zurückführen und die seelischen Themen dahinter bearbeiten.

Bei Kindern und Jugendlichen ist die Familie ein zentraler Teil der Behandlung. In der familienbasierten Therapie übernehmen Eltern anfangs bewusst die Verantwortung für die Mahlzeiten und geben sie später Schritt für Schritt zurück. Ergänzend kommen Psychotherapie, etwa kognitive Verhaltenstherapie, und eine Ernährungsbegleitung zum Einsatz. Untersuchungen zur Familientherapie zeigen für Jugendliche günstige Ergebnisse, auch wenn die Datenlage insgesamt begrenzt ist.

Eine ambulante Behandlung reicht oft aus. Bei bedrohlich niedrigem Gewicht oder ernsten körperlichen Folgen ist eine stationäre Aufnahme in einer Klinik nötig. Eltern hilft es, Streit ums Essen zu vermeiden, sich selbst gut zu informieren und zwischen der Person ihres Kindes und der Krankheit zu unterscheiden.

Wann und wo Hilfe holen?

Wenn Sie den Verdacht auf eine Magersucht haben, warten Sie nicht ab, bis das Gewicht weiter fällt. Erste Anlaufstellen sind die Kinder- und Jugendärztin oder der Hausarzt sowie spezialisierte Beratungsstellen für Essstörungen, die es kostenlos und anonym gibt. Dort finden auch Angehörige Rat und Entlastung.

Eine sichere Diagnose und die Behandlung gehören ausschließlich in die Hände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) oder einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Fachperson. Rückenwind Eltern begleitet und stärkt Sie als Eltern in dieser Zeit, ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung, keine Diagnose und keine Psychotherapie. Janike ist Sozialarbeiterin und Elterncoach in Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und stellt keine Diagnosen.

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