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Wartezeit aktiv nutzen (Überbrückungsstrategien bis zum Therapiebeginn)

Zwischen dem ersten Verdacht und dem Start einer Psychotherapie liegen oft mehrere Monate. In dieser Zeit gibt es konkrete Anlaufstellen und kleine Schritte, die Ihrem Kind und Ihnen Halt geben.

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Was heißt Wartezeit überbrücken?

Ein Therapieplatz ist selten sofort frei. Nach dem ersten Gespräch bei der Kinderärztin oder einer Beratungsstelle steht die Familie oft erst mal auf einer Liste. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz lässt sich nicht wegzaubern, aber sie muss keine leere Zeit sein.

Überbrücken bedeutet: Sie holen sich früh Beratung, nutzen kürzere Zugangswege im Gesundheitssystem und halten den Alltag so stabil wie möglich, bis die eigentliche Therapie beginnt. Das ersetzt keine Behandlung. Es senkt aber den Druck und verhindert, dass sich Probleme in der Zwischenzeit verhärten.

Wie lange dauert das Warten wirklich?

In Deutschland vergehen zwischen dem ersten Kontakt und dem Beginn einer Psychotherapie im Schnitt mehrere Monate, oft drei bis sechs. Bei Kindern und Jugendlichen kommt erschwerend dazu, dass es weniger Praxen mit passender Ausrichtung gibt und Wege zur Praxis eine Rolle spielen.

Wichtig für die Einordnung: Ein erstes Gespräch, die sogenannte psychotherapeutische Sprechstunde, kommt meist deutlich schneller zustande als der Platz für die längere Behandlung. Wer das trennt, spart sich einen Teil der Enttäuschung. In diesem Wartelisten-Limbo hilft es, mehrere Praxen parallel anzufragen und sich Absagen nicht persönlich zu nehmen. Volle Terminkalender sagen nichts über Ihr Kind aus.

Der schnellere Weg über die 116117

Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung vermittelt Termine. Sie erreichen sie rund um die Uhr unter der Telefonnummer 116117 oder online über eterminservice.de. Für die psychotherapeutische Sprechstunde brauchen Sie keine Überweisung.

Die Servicestelle ist verpflichtet, innerhalb einer Woche einen ersten Sprechstunden-Termin zu vermitteln, der dann binnen vier Wochen stattfinden soll. In dieser Sprechstunde klärt eine Fachperson, ob und welche Hilfe sinnvoll ist. Für Kinder und Jugendliche umfasst sie bis zu zehn Einheiten à 25 Minuten.

Zeigt sich dringender Bedarf, kann direkt eine Akutbehandlung mit bis zu 24 kurzen Terminen folgen. Sagen Sie am Telefon klar, dass Sie einen Termin für die Sprechstunde möchten und nicht gleich für die Psychotherapie selbst. Das beschleunigt die Vermittlung.

Beratungsstellen und Selbsthilfe für die Zwischenzeit

Neben dem ärztlichen und psychotherapeutischen System gibt es Angebote, die schnell und meist kostenlos erreichbar sind:

  • Erziehungs- und Familienberatungsstellen von Trägern wie Caritas, Diakonie oder Arbeiterwohlfahrt beraten zu Konflikten, Schule und Verhalten. Die Wartezeiten dort sind oft kürzer als bei einer Therapiepraxis.
  • Die bke-Onlineberatung richtet sich an Eltern von Kindern bis 21 Jahre. Beratung per Mail, Chat und in Gruppen ist anonym und kostet nichts.
  • Der Sozialpsychiatrische Dienst beim Gesundheitsamt unterstützt bei akuten und länger bestehenden psychischen Belastungen, ebenfalls kostenfrei.

Diese Stellen stellen keine Diagnose und führen keine Therapie durch. Sie geben Ihnen aber jemanden an die Seite, solange Sie warten, und sortieren mit Ihnen, was der nächste Schritt sein kann.

Den Alltag stabil halten

Was zu Hause passiert, wirkt sich auf das Warten aus. Ein paar Dinge tragen mehr, als sie nach außen wirken:

  • Rhythmus: feste Zeiten für Schlaf, Mahlzeiten und Bildschirm geben einem belasteten Kind Struktur.
  • Notizen: Halten Sie Auffälligkeiten kurz fest, mit Datum. Diese Beobachtungen sind später in der Sprechstunde Gold wert und ersparen Rätselraten.
  • Entlastung für Sie selbst: Wer ein Kind durch eine schwere Phase begleitet, läuft schnell auf Reserve. Pausen, ein offenes Ohr im Umfeld und das Abgeben einzelner Aufgaben sind Teil der Versorgung, nicht Luxus.

Kleine, verlässliche Routinen schlagen den einen großen Kraftakt, den ohnehin niemand jeden Tag leisten kann.

Wenn es nicht warten kann

Manche Situationen dulden keinen Platz auf einer Liste. Bei Hinweisen auf Selbstverletzung, Suizidgedanken oder einer akuten Krise gilt: sofort Hilfe holen, nicht abwarten. Anlaufstellen sind der örtliche Krisendienst, die Nummern über Stadt und Gemeinde, im Notfall die 112. Wo Sie wann anrufen, fasst der Beitrag zur Krisenhotline zusammen.

Alle hier genannten Schritte sind zum Überbrücken gedacht. Ob bei Ihrem Kind eine psychische Störung vorliegt und welche Behandlung passt, kann ausschließlich eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder eine ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Fachperson beurteilen. Rückenwind begleitet Sie auf diesem Weg, stellt aber keine Diagnose und ersetzt keine Psychotherapie.

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