Binge-Eating-Störung
Die Binge-Eating-Störung ist eine Essstörung mit wiederkehrenden Essanfällen, bei denen Betroffene große Mengen essen und die Kontrolle verlieren. Anders als bei der Bulimie folgen keine Gegenmaßnahmen wie Erbrechen.
Inhalt
Was ist die Binge-Eating-Störung?
Die Binge-Eating-Störung (englisch „binge eating" = Essanfall) gehört zu den Essstörungen. Kennzeichnend sind wiederkehrende Essanfälle: In kurzer Zeit essen Betroffene sehr viel mehr, als die meisten Menschen in einer vergleichbaren Situation essen würden. Während des Anfalls entsteht ein Gefühl von Kontrollverlust. Betroffene erleben, dass sie nicht mehr aufhören können und nicht steuern, was und wie viel sie essen.
Oft geschieht das Essen sehr schnell, ohne echtes Hungergefühl und über das Sättigungsgefühl hinaus, bis ein unangenehmes Völlegefühl da ist. Danach folgen häufig Scham, Ekel oder Schuldgefühle. Die Störung ist im Diagnosesystem DSM-5 beschrieben und wird im ICD-10 unter dem Bereich F50 eingeordnet. Sie tritt häufiger auf als Magersucht oder Bulimie und betrifft Mädchen wie Jungen.
Woran erkennen Eltern Essanfälle?
Die Anzeichen spielen sich meist im Verborgenen ab. Viele Betroffene schämen sich und essen heimlich. Eltern bemerken die Störung deshalb oft erst spät. Mögliche Hinweise:
- Größere Mengen an Lebensmitteln verschwinden schneller als üblich, teils heimlich.
- Ihr Kind zieht sich mit Essen zurück, isst allein auf dem Zimmer.
- Nach dem Essen wirkt es bedrückt, beschämt oder ekelt sich vor sich selbst.
- Es kreisen viele Gedanken um Essen, Figur und Gewicht.
- Das Gewicht kann steigen, muss aber nicht.
Ein einzelnes Merkmal ist noch keine Diagnose. Auffällig wird es, wenn Essanfälle regelmäßig wiederkehren und Ihr Kind darunter leidet. Wichtig: Ein Essanfall gehört zu einer behandelbaren Erkrankung und ist kein Zeichen von Willensschwäche.
Wie unterscheidet sie sich von der Bulimie?
Binge-Eating-Störung und Bulimie haben eines gemeinsam: die Essanfälle mit Kontrollverlust. Der entscheidende Unterschied liegt danach. Bei der Bulimie versuchen Betroffene, einer Gewichtszunahme aktiv gegenzusteuern, etwa durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel, Hungern oder übermäßigen Sport.
Bei der Binge-Eating-Störung fehlen diese sogenannten kompensatorischen Maßnahmen in der Regel. Das Essen wird nicht wieder erbrochen. Weil die zusätzliche Energie im Körper bleibt, kommt es häufiger zu Übergewicht, das gilt aber nicht für alle Betroffenen. Diese Abgrenzung ist für die Behandlung wichtig, weil beide Störungen zwar verwandt sind, aber unterschiedliche Schwerpunkte in der Therapie haben. Eine sichere Zuordnung nimmt immer eine Fachperson vor, nicht die Familie selbst.
Wie entsteht die Störung?
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Fachleute gehen von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus. Dazu zählen eine erbliche Veranlagung, ein geringes Selbstwertgefühl, belastende Erfahrungen sowie Schwierigkeiten, mit Stress und starken Gefühlen umzugehen.
Häufig werden Essanfälle zu einem Versuch, unangenehme Gefühle wie Anspannung, Traurigkeit oder Leere kurzfristig zu regulieren. Das Essen beruhigt für einen Moment, danach kommen Scham und Schuld, und der Kreislauf beginnt von vorn. Auch strenge Diäten in jungen Jahren können Essanfälle begünstigen, weil auf starke Einschränkung oft Heißhunger folgt.
Für Eltern ist wichtig: Diese Störung entsteht nicht durch „falsche" Erziehung oder mangelnde Disziplin. Sie ist eine ernsthafte psychische Erkrankung mit mehreren Wurzeln, keine Frage des guten Willens.
Was hilft?
Die Binge-Eating-Störung ist gut behandelbar, und die Aussichten auf Besserung sind günstig. An erster Stelle steht die Psychotherapie. Besonders gut belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sie hilft, den Kreislauf aus Anspannung, Essanfall und Schuld zu durchbrechen, ein regelmäßiges Essverhalten aufzubauen und andere Wege im Umgang mit Gefühlen zu finden.
Ergänzend kommen je nach Situation strukturierte Selbsthilfe, Ernährungsberatung oder Bewegung infrage. Als Eltern müssen Sie nicht selbst therapieren. Sie helfen am meisten, indem Sie ruhig und ohne Vorwürfe bleiben, das Thema Gewicht nicht in den Mittelpunkt stellen und Ihrem Kind zeigen, dass es sich Unterstützung holen darf. Druck, Kontrolle der Essmengen oder Diätvorschläge verstärken Scham und Heimlichkeit meist eher, als dass sie helfen.
Wann und wo Hilfe holen?
Suchen Sie Unterstützung, wenn Essanfälle wiederkehren, Ihr Kind darunter leidet, sich zurückzieht oder körperliche Beschwerden auftreten. Ein früher Beginn der Hilfe verbessert die Aussichten deutlich. Erste Anlaufstellen sind die Kinderärztin oder der Kinderarzt, spezialisierte Beratungsstellen und das kostenfreie Beratungstelefon des Essstörungsportals.
Eine gesicherte Diagnose und die passende Behandlung kann ausschließlich eine ärztliche oder psychotherapeutische Fachperson stellen, etwa in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) oder einer psychotherapeutischen Praxis. Rückenwind Eltern begleitet und stärkt Sie als Familie auf diesem Weg, ersetzt aber keine Diagnostik oder Psychotherapie. Wenn Sie unsicher sind, ist der Gang zur Fachperson immer der richtige erste Schritt, auch wenn sich noch nichts eindeutig benennen lässt.
Quellen & Weiterführende Links
Andere interessierten sich auch für…
Bulimia Nervosa (Ess-Brech-Sucht)
Bulimia nervosa (Bulimie, Ess-Brech-Sucht) ist eine Essstörung mit wiederkehrenden Essanfällen und anschließendem Gegensteuern, meist durch Erbrechen. Das Gewicht ist oft normal, deshalb bleibt sie lange unbemerkt.
EsststörungenEssstörung (Eating Disorder)
Eine Essstörung ist eine psychische Erkrankung, bei der das Essen und der eigene Körper das Denken beherrschen. Zu den häufigsten Formen zählen Magersucht, Bulimie und die Binge-Eating-Störung.
EsststörungenKognitive Verhaltenstherapie (KVT / CBT)
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hilft Kindern und Jugendlichen, belastende Gedanken und Verhaltensmuster zu verändern. Bei Angst, Depression und Zwängen zählt sie zu den am besten untersuchten Behandlungen.
EsststörungenMagersucht (Anorexia Nervosa)
Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine ernste Essstörung mit starker Angst vor Gewichtszunahme und gefährlichem Untergewicht. So erkennen und begleiten Eltern ihr Kind.
Willst du das mit jemandem besprechen?
Im kostenlosen Erstgespräch schaut Nike mit dir persönlich auf eure Situation — ohne Druck, ohne Verpflichtung.
Kostenloses Erstgespräch