Diagnose Z63 ca. 3 Min. Lesezeit

Diagnose-Uneinigkeit (Wenn Elternteile unterschiedlich auf die Diagnose reagieren)

Diagnose-Uneinigkeit beschreibt den Zustand, in dem zwei Elternteile dieselbe Diagnose ihres Kindes verschieden schnell und verschieden tief akzeptieren. Das belastet die Partnerschaft und erschwert eine gemeinsame Linie fürs Kind.

Inhalt

Was bedeutet Diagnose-Uneinigkeit?

Diagnose-Uneinigkeit meint den Zustand, in dem zwei Elternteile die gleiche Diagnose ihres Kindes verschieden aufnehmen und verschieden schnell einordnen. Ein Elternteil sucht sofort nach Therapien, Terminen und Literatur. Der andere zweifelt die Diagnose an oder schiebt sie weg. Beide meinen es gut mit dem Kind. Trotzdem entstehen zwei Lager unter einem Dach.

Fachlich wird eine solche familiäre Belastung im ICD-10 unter Z63 gefasst, den Codes für Probleme in der engeren Familie und Partnerschaft. Die Diagnose des Kindes selbst steht dabei nicht infrage. Es geht um die Frage, wer sie wann als real annimmt und was daraus folgen soll. Diese Phase kann wenige Wochen dauern oder sich über Monate ziehen.

Warum Eltern eine Diagnose unterschiedlich verarbeiten

Nach einer Diagnose durchlaufen viele Eltern etwas, das einer Trauerreaktion ähnelt. Am Anfang stehen oft Schock und Ungläubigkeit, mehr dazu unter Diagnose-Schock. Danach kommen bei manchen Wut, Verhandeln oder Rückzug. Das Tempo ist bei jedem Menschen anders.

Eine Mutter, die das Kind tagsüber betreut, bemerkt Symptome häufig früher und ordnet die Diagnose schneller ein. Ein Vater, der weniger Alltag mit dem Kind teilt, braucht oft länger, bis die Nachricht bei ihm ankommt. Fachstellen beschreiben, dass Väter unter der Erkrankung ihres Kindes genauso leiden, mit ihren Sorgen aber schwerer nach außen gehen. Auch die eigene Biografie wirkt mit. Wer selbst als Kind eine Diagnose erlebt hat, reagiert anders als jemand, für den das Thema neu ist.

Verleugnung wirkt dabei zunächst wie ein Schutz vor Überforderung. Sie bedeutet selten, dass dem Elternteil das Kind gleichgültig ist.

Wie das die Partnerschaft belastet

Wenn ein Elternteil handelt und der andere bremst, entstehen Vorwürfe. Der aktive Part fühlt sich allein gelassen mit Anträgen, Arztterminen und Sorge. Der zögernde Part fühlt sich gedrängt und überrollt. Beide sind erschöpft und sprechen doch verschiedene Sprachen über dasselbe Kind.

Berichte zur Situation von Familien mit chronisch kranken Kindern beschreiben, dass Konflikte zwischen den Eltern und Anpassungsstörungen im Verlauf zunehmen können. Ein großer Teil dieser Paare steht zeitweise unter starker seelischer Belastung. Dazu kommt der Alltag. Wer nachts wach liegt und tags funktioniert, hat wenig Kraft für ein ruhiges Gespräch, siehe Erschöpfung.

Die Paarebene rutscht nach unten. Nähe, gemeinsame Pausen und Zärtlichkeit fallen als Erstes weg. Manche Paare geraten in eine erschöpfte Partnerschaft, in der jeder nur noch verwaltet. Kinder spüren die Spannung zwischen den Eltern früh und antworten manchmal mit eigenen Symptomen.

Wege zu einer gemeinsamen Linie fürs Kind

Das unterschiedliche Tempo lässt sich nicht wegdiskutieren. Es hilft, den Streit über den richtigen Umgang vom Handeln fürs Kind zu lösen.

  • Zeit und Sache trennen. Dem langsameren Elternteil Raum zum Nachkommen lassen, die nötigen Termine für das Kind aber nicht aufschieben.
  • Aufgaben verteilen statt überzeugen. Einer übernimmt Arztkontakte, der andere Schule oder Geschwister. Konkrete Zuständigkeiten senken den Druck, sich ständig einig sein zu müssen.
  • Feste Gesprächszeit. Zwanzig ruhige Minuten pro Woche ohne Kind, ohne Handy, bei einem Thema bleiben und ausreden lassen.
  • Gemeinsam zum Termin. Wenn beide Eltern beim gleichen Gespräch in der Praxis sitzen, hören beide dieselben Fakten. Das nimmt einem Elternteil die Rolle des alleinigen Boten.

Nach außen zählt eine ruhige, gemeinsame Sprache. Bevor ihr mit dem Kind über die Diagnose sprecht, klärt untereinander, was gesagt wird, siehe Diagnosemitteilung ans Kind. Ein Kind, das die Eltern uneins erlebt, gerät leichter zwischen die Fronten.

Wann und wo Hilfe holen?

Erziehungs- und Familienberatungsstellen von Caritas, Diakonie und kommunalen Trägern beraten kostenfrei und vertraulich, auch zu Konflikten zwischen Eltern. Dort arbeiten Psychologinnen und Fachkräfte der Sozialen Arbeit. Über die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung findet ihr eine Stelle in der Nähe sowie eine anonyme Onlineberatung.

Wenn der Streit die Paarebene fest im Griff hat, kann eine Paartherapie einen geschützten Rahmen bieten, um wieder ins Gespräch zu kommen. Für den Alltag als Eltern begleitet euch Rückenwind coachend durch diese Phase, damit ihr als Team handlungsfähig bleibt.

Eine Erkrankung des Kindes abklären und eine Diagnose stellen kann ausschließlich eine Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) oder eine ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Fachperson.

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