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Elterntraining (Parent Training)

Ein Elterntraining ist ein strukturiertes Programm, das Eltern konkrete Strategien für den Umgang mit schwierigem Verhalten ihres Kindes vermittelt, besonders bei ADHS und Verhaltensauffälligkeiten.

Inhalt

Was ist ein Elterntraining?

Ein Elterntraining ist ein festgelegter Kurs, in dem Eltern lernen, wie sie im Alltag auf das Verhalten ihres Kindes reagieren. Es geht um konkrete Situationen: der Streit vor den Hausaufgaben, das Trödeln am Morgen, der Wutausbruch im Supermarkt. Fachleute nennen das oft Parent Training oder verhaltenstherapeutisches Elterntraining.

Der Kurs richtet sich an die Eltern, nicht an das Kind. Das Kind selbst ist bei den Terminen meist gar nicht dabei. Der Gedanke dahinter: Eltern verbringen jeden Tag viele Stunden mit ihrem Kind. Wenn sie ihre Reaktionen ändern, verändert sich auch das, was zwischen ihnen und dem Kind passiert. Elterntrainings gibt es als Einzelberatung, als Gruppenkurs über mehrere Wochen und inzwischen auch als Online-Programm zum Selbstlernen.

Wie ein Elterntraining abläuft

Die meisten Programme arbeiten mit einer festen Reihe von Themen, die über 8 bis 20 Sitzungen aufeinander aufbauen. Eltern bekommen zwischen den Terminen kleine Aufgaben für zu Hause und besprechen beim nächsten Mal, was geklappt hat und was nicht.

Typische Bausteine sind:

  • Positives Verhalten sehen und belohnen: Lob und kleine Belohnungssysteme für Dinge, die dem Kind schwerfallen, etwa allein anfangen oder ruhig am Tisch sitzen.
  • Klare, ruhige Ansagen: kurze, eindeutige Anweisungen statt langer Diskussionen.
  • Angemessene Konsequenzen: vorher vereinbarte Folgen bei Problemverhalten, ohne Eskalation.
  • Die eigenen Reaktionen steuern: merken, wann man selbst wütend wird, und Wege finden, nicht mitzukochen.

Eine Voraussetzung nennen Fachleute besonders: Die Hauptbezugspersonen müssen bereit sein mitzuarbeiten. Ein Elterntraining ist keine Beratung, die man einmal anhört. Es lebt vom Ausprobieren im eigenen Wohnzimmer.

Bekannte Programme

In Deutschland gibt es mehrere erprobte Programme. Für Kinder mit ADHS und mit stark oppositionellem Verhalten ist THOP bekannt, das Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten. Es wird im Rahmen der ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung eingesetzt.

Daneben gibt es kostenlose Online-Angebote. Der ADHS-Elterntrainer wurde mit dem Kinder- und Jugendpsychiater Manfred Döpfner entwickelt und ist frei zugänglich. Er zeigt in 44 kurzen Filmen typische Familiensituationen und erklärt daran verhaltenstherapeutische Methoden. Eltern können ihn ohne Anmeldung nutzen. Solche digitalen Trainings ersetzen keine Diagnostik, sie geben Eltern aber sofort etwas Konkretes an die Hand, während sie noch auf einen Termin warten.

Viele Programme gehören zu einer breiteren Verhaltenstherapie und arbeiten mit denselben Grundprinzipien von Verstärkung und klarer Struktur.

Warum Leitlinien Elterntraining empfehlen

Die ärztliche Leitlinie zu ADHS führt Elterntraining als festen Baustein der Behandlung auf. Sie ordnet es in ein Gesamtkonzept ein, die multimodale Therapie. Dabei setzt man mehrere Hebel gleichzeitig an: Beratung der Familie, Maßnahmen in Kindergarten oder Schule, je nach Alter eine Behandlung des Kindes selbst und in manchen Fällen Medikamente.

Bei jüngeren Kindern, besonders vor dem Schulalter, steht das Elterntraining oft am Anfang. Vor dem sechsten Geburtstag empfiehlt die Leitlinie zunächst nichtmedikamentöse Schritte, und das Training der Eltern gehört dazu. Der Grund ist einfach: Kleine Kinder lassen sich schwer direkt therapieren, ihre Umgebung dagegen schon. Zu einem guten Elterntraining gehört fast immer auch Psychoedukation für Eltern, also verständliche Informationen darüber, was bei ADHS im Kind vorgeht.

Was Eltern davon haben und wo es Hilfe gibt

Eltern berichten häufig, dass die täglichen Machtkämpfe weniger werden und der Ton zu Hause ruhiger wird. Statt auf jeden Ausbruch zu reagieren, haben sie einen Plan. Das nimmt Druck, auch vom Kind, das klarere Regeln und mehr echtes Lob erlebt. Wunder verspricht ein Elterntraining nicht, und nicht jedes Kind reagiert gleich stark. Es verschiebt aber, wie eine Familie durch schwierige Momente kommt.

Ein Elterntraining findet man über die kinderärztliche Praxis, über sozialpädiatrische Zentren, Erziehungsberatungsstellen und über Kinder- und Jugendpsychiatrien. Viele Krankenkassen übernehmen Kurse oder verweisen auf geprüfte Online-Programme.

Als Elterncoaching begleitet Rückenwind Eltern auf diesem Weg und hilft, den Alltag zu ordnen. Ob hinter dem Verhalten eines Kindes ADHS oder eine andere Ursache steckt, kann ausschließlich eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder eine ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Fachperson abklären. Ein Elterntraining ersetzt diese Abklärung nicht, es ergänzt sie.

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