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Bewältigungsstrategien (Coping)

Bewältigungsstrategien (Coping) sind die Wege, mit denen ein Mensch mit Belastung umgeht. Manche entlasten dauerhaft, andere verschaffen nur kurz Ruhe.

Inhalt

Was sind Bewältigungsstrategien?

Bewältigungsstrategien, im Fachwort Coping (englisch für Bewältigung), sind die Bemühungen einer Person, mit einer Belastung zurechtzukommen, die ihre Kräfte gerade übersteigt. Der Begriff geht auf die Psychologen Richard Lazarus und Susan Folkman zurück. Sie beschrieben Coping 1984 als sich ständig verändernde gedankliche und verhaltensmäßige Bemühungen, mit inneren und äußeren Anforderungen fertig zu werden.

Coping läuft teils bewusst ab, teils automatisch. Dazu gehören gedankliche Vorgänge wie das Umdeuten einer Situation und sichtbares Verhalten wie Problemlösen oder das Suchen von Hilfe. Für Eltern eines Kindes mit einer psychischen Erkrankung sind das die kleinen und großen Reaktionen auf den Alltag: der Anruf bei der Beratungsstelle, das tiefe Durchatmen vor dem Elterngespräch, die Pause auf dem Balkon nach einem harten Tag.

Problemorientiert oder emotionsorientiert

Lazarus unterscheidet zwei Grundrichtungen. Beim problemorientierten Coping setzt eine Person direkt an der belastenden Situation an und versucht, sie zu verändern. Beispiele sind: sich über die Erkrankung des Kindes informieren, Aufgaben im Haushalt abgeben, mit der Schule einen Nachteilsausgleich klären oder einen Termin in der Klinik ausmachen.

Beim emotionsorientierten Coping geht es um die eigenen Gefühle, die durch die Belastung entstehen. Man reguliert Angst, Wut oder Erschöpfung, etwa durch ein Gespräch mit einer Freundin, durch ein paar Minuten Bewegung oder durch bewusstes Atmen.

Beide Richtungen haben ihren Platz. Wenn sich an einer Lage etwas ändern lässt, hilft der problemorientierte Weg. Ist eine Situation kaum steuerbar, etwa die Wartezeit auf einen Therapieplatz, entlastet der Umgang mit den eigenen Gefühlen mehr. Wer seine Stresstoleranz kennt, spürt oft schon, welcher Weg im Moment trägt.

Hilfreiche und ungünstige Strategien

Nicht jede Strategie tut auf Dauer gut. Studien zeigen ein wiederkehrendes Muster: Aktives Problemlösen, das Annehmen einer Situation und das Suchen emotionaler Unterstützung gehen mit geringerer seelischer Belastung einher. Diese Wege gelten als hilfreich oder adaptiv.

Andere Muster verschaffen kurz Luft, verschärfen die Lage aber langfristig. Dazu zählen dauerhaftes Vermeiden, ständige Selbstvorwürfe und der Griff zu Alkohol oder anderen Substanzen. Sie gelten als ungünstig oder maladaptiv und hängen mit höherer psychischer Belastung zusammen.

  • Hilfreich: um Hilfe bitten, Aufgaben teilen, feste Ruhezeiten einplanen, Entspannungsverfahren üben, Gefühle benennen.
  • Ungünstig auf Dauer: alles allein tragen, Kontakte abbrechen, sich selbst die Schuld geben, Belastung mit Alkohol dämpfen.

Die Übergänge sind fließend. Ein Rückzug am Wochenende kann Kraft geben. Zieht er sich über Wochen, wird aus Erholung ein Warnzeichen.

Beispiele für belastete Eltern

Im Familienalltag lassen sich beide Coping-Richtungen einüben. Auf der Handlungsebene hilft es, konkrete Schritte zu planen: einen festen Ansprechpartner in der Klinik notieren, den Wochenplan zwischen beiden Elternteilen aufteilen, den Arbeitgeber über eine belastende Phase informieren. Solche Schritte holen ein Stück Steuerung zurück.

Auf der Gefühlsebene zählt die eigene Erholung. Progressive Muskelentspannung, ein kurzer Spaziergang, ein ehrliches Gespräch im Freundeskreis oder in einer Selbsthilfegruppe stärken die Widerstandskraft. Viele Eltern unterschätzen die Selbstfürsorge, weil das kranke Kind alle Aufmerksamkeit bindet. Wer über Monate am Limit läuft, riskiert eine tiefe Erschöpfung, die auch das Kind spürt.

Ein bewährter Zwischenschritt ist der Blick auf die eigenen Kraftquellen. In der Begleitung heißt das Ressourcenaktivierung: gemeinsam sammeln, was früher getragen hat, und einen kleinen Teil davon zurück in den Alltag holen. Manchmal reicht ein halber freier Nachmittag pro Woche als Anfang.

Wann und wo Hilfe holen?

Coping ist erlernbar. Elterncoaching und Begleitung, wie sie Rückenwind anbietet, unterstützen dabei, hilfreiche Strategien zu finden und ungünstige Muster zu erkennen. Das ist Begleitung, keine Behandlung.

Wenn die Belastung nicht nachlässt, der Schlaf über Wochen leidet, die Stimmung dauerhaft kippt oder Gedanken an Aufgeben auftauchen, braucht es fachliche Hilfe. Erste Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis, psychotherapeutische Praxen und Beratungsstellen. Für das Kind gilt: Eine Diagnose und die Einschätzung, welche Behandlung nötig ist, kann ausschließlich eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder eine ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Fachperson stellen.

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