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Ressourcenaktivierung

Ressourcenaktivierung heißt, gezielt die vorhandenen Stärken, Fähigkeiten und die Unterstützung eines Menschen zu nutzen, statt nur an den Problemen zu arbeiten. Sie gilt als einer der zentralen Wirkfaktoren erfolgreicher Psychotherapie.

Inhalt

Was bedeutet Ressourcenaktivierung?

Ressourcenaktivierung beschreibt eine Grundhaltung in der Psychotherapie: Ein Mensch wird über seine Probleme betrachtet und ebenso über das, was ihn trägt. Der Psychotherapieforscher Klaus Grawe zählte sie zu den fünf allgemeinen Wirkfaktoren, die über alle Therapieschulen hinweg mitentscheiden, ob eine Behandlung wirkt.

Mit Ressourcen sind dabei alle Stärken und Möglichkeiten gemeint, die zu einem Menschen gehören: Fähigkeiten, Interessen, gute Erfahrungen, Werte und Überzeugungen, aber auch verlässliche Beziehungen und Menschen, die zur Seite stehen. In der Therapie wird der Blick gezielt darauf gelenkt: Was hat schon einmal funktioniert? Was kann das Kind gut? Wen oder was gibt es, das Halt gibt? Diese vorhandenen Kräfte werden nutzbar gemacht, zusätzlich zur Arbeit an den Schwierigkeiten.

Warum Stärken statt nur Defizite?

Lange stand in der Behandlung vor allem im Vordergrund, was nicht stimmt. Die Ressourcenorientierung ergänzt das um eine zweite Frage: Was ist da und funktioniert? Fachleute sprechen von „Build what's strong" als Ergänzung zu „Fix what's wrong". Beides gehört zusammen.

Ein Kind, das ständig nur auf seine Schwierigkeiten angesprochen wird, erlebt sich schnell als Problemfall. Wird dagegen auch sichtbar, was es kann, wächst das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten. Hier entsteht eine enge Verbindung zur Selbstwirksamkeitserwartung, also der Überzeugung, selbst etwas bewirken zu können. Wer erlebt, dass die eigenen Stärken zählen, öffnet sich leichter, spricht offener und traut sich mehr zu. Das ist keine Schönfärberei. Es ist eine bewusste Balance zwischen dem Blick auf Probleme und dem Blick auf Kraftquellen.

Ressourcenaktivierung im Familienalltag

Vieles davon findet nicht nur im Therapieraum statt. Als Eltern können Sie die Stärken Ihres Kindes im Alltag sichtbar machen. Ein paar konkrete Ansätze:

  • Benennen, was gelingt: „du bist drangeblieben, obwohl es schwer war", statt nur den Fehler zu benennen.
  • An frühere Erfolge erinnern: „Weißt du noch, wie du dich damals beim Umzug getraut hast?"
  • Interessen ernst nehmen: Musik, Tiere, Sport oder Zeichnen sind echte Kraftquellen, keine Nebensache.
  • Beziehungen sichtbar machen: Großeltern, eine Freundin, ein Trainer: Menschen, bei denen Ihr Kind sich sicher fühlt.

Wichtig ist der Ton. Es geht um ehrliches Wahrnehmen. Dauerlob oder Druck bringen nichts. Kinder spüren den Unterschied. Auch in schwierigen Phasen bleibt fast immer etwas, das trägt. Genau das darf Raum bekommen.

Ressourcen für Sie als Eltern

Ressourcenaktivierung gilt nicht nur für das Kind. Eltern, die ein Kind mit psychischen Belastungen begleiten, geraten oft selbst an ihre Grenzen. Auch Sie haben Stärken und Kraftquellen, die zählen: Erfahrungen, in denen Sie schwierige Situationen gemeistert haben, Menschen, die Sie entlasten, kleine Dinge, die Ihnen guttun.

Selbstfürsorge ist dabei die Grundlage, um überhaupt verlässlich für das Kind da sein zu können. Kein Luxus. Dazu gehört auch, Unterstützung anzunehmen, statt alles allein tragen zu wollen, und mit sich selbst nachsichtig zu bleiben, ein Stück Selbstmitgefühl. Wer die eigenen Ressourcen im Blick behält, bleibt handlungsfähiger. Und zeigt dem Kind zugleich, dass gut für sich zu sorgen normal und erlaubt ist.

Wie Fachleute damit arbeiten und wo Sie Hilfe finden

In einer Therapie wird Ressourcenaktivierung bewusst eingesetzt. Fachleute erkunden gemeinsam mit dem Kind, welche Stärken vorhanden sind, holen vergessene Fähigkeiten wieder hervor und helfen, neue zu entdecken. Häufig wird das mit anderen Ansätzen kombiniert, etwa der systemischen Therapie, die das ganze Familiensystem einbezieht.

Coaching und Begleitung wie bei Rückenwind können Sie als Familie stärken, Ressourcen sichtbar machen und Sie im Alltag entlasten. Sie ersetzen aber keine Diagnostik oder Behandlung. Ob hinter den Schwierigkeiten Ihres Kindes eine behandlungsbedürftige Störung steckt, kann ausschließlich eine Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) oder eine ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Fachperson abklären. Bei ernsteren Sorgen ist das der richtige erste Schritt.

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