Krisenplan (Familienebene)
Ein Krisenplan auf Familienebene ist eine gemeinsam erarbeitete, schriftliche Vereinbarung. Sie legt fest, was jedes Familienmitglied tut, wenn es einem Kind oder Jugendlichen plötzlich deutlich schlechter geht. In so einem Moment muss dann niemand allein überlegen, wer was übernimmt.
Definition
Was ist ein Krisenplan auf Familienebene?
Ein Krisenplan auf Familienebene ist eine gemeinsam abgesprochene, am besten aufgeschriebene Vereinbarung. Sie beschreibt, was Sie als Familie tun, wenn es Ihrem Kind plötzlich sehr schlecht geht. Die Absprachen entstehen, bevor die Krise da ist. Mitten in der Krise fällt ruhiges, strukturiertes Handeln nämlich am schwersten.
Der Plan gehört an einen Ort, den alle kennen, keinesfalls in eine Schublade. Zum Beispiel an den Kühlschrank, in eine gemeinsame Notizen-App oder als Foto auf dem Handy.
Was gehört in einen Familien-Krisenplan?
Ein guter Krisenplan beantwortet die schwierigsten Fragen im Voraus:
- Woran erkennen wir, dass es eine Krise ist? Benennen Sie konkrete Zeichen, z.B. Rückzug, Verweigerung der Mahlzeiten, Selbstverletzung, Äußerungen von Hoffnungslosigkeit
- Wer übernimmt welche Aufgabe? Zum Beispiel: Wer bleibt beim Kind, wer telefoniert, wer fährt?
- Wen rufen wir an? Therapeut:in, Notaufnahme Kinder- und Jugendpsychiatrie, Krisentelefon (z.B. Telefonseelsorge 0800 111 0 111, kostenlos, 24/7)
- Was hilft dem Kind in diesem Moment? Beruhigendes, Ablenkung, körperlicher Kontakt. Fragen Sie Ihr Kind auch, was es sich selbst wünscht
- Was macht die Situation schlimmer? Dinge, die alle vermeiden sollten
- Was brauchen die Geschwister oder andere Familienmitglieder? Auch sie brauchen Klarheit
Woher kommt der Begriff?
Krisenpläne werden in verschiedenen Therapieansätzen genutzt, zum Beispiel in der Familienbasierten Therapie (FBT/Maudsley-Ansatz) bei Essstörungen oder in der systemischen Therapie. Beide Ansätze verstehen die Familie als Team. Und ein Team braucht einen Spielplan für den Ernstfall.
Üblicherweise entsteht so ein Plan zusammen mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten. Ist Ihr Kind gerade in Behandlung, sprechen Sie das Thema dort aktiv an.
Warum ist das für Eltern wichtig?
In einer akuten Krise läuft das Gehirn im Alarmmodus. Klar denken und abwägen fällt dann schwer. Ein schriftlicher Plan nimmt genau diesen Druck weg: Im Ernstfall schlagen Sie einfach nach, die Entscheidungen sind längst getroffen. Das entlastet Eltern spürbar. Und alle Beteiligten, auch das Kind, spüren: Wir sind vorbereitet. Wir lassen dich nicht allein.
Was kann ich jetzt tun?
Falls Sie noch keinen Krisenplan haben, sprechen Sie das beim nächsten Termin bei der Therapeutin oder dem Therapeuten Ihres Kindes an. Auch eine Erziehungsberatungsstelle kann helfen, erste Schritte zu ordnen, etwa während der Wartezeit auf einen Therapieplatz. Ob und welche Behandlung für Ihr Kind sinnvoll ist, kann nur eine approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder ein Kinder- und Jugendpsychiater einschätzen und abklären.
Andere interessierten sich auch für…
Maudsley Approach (Familienbasierte Therapie)
Siehe Familienbasierte Therapie
TherapieSystemische Therapie
Systemische Therapie versteht die Probleme eines Kindes im Zusammenhang mit seinen Beziehungen und bezieht die Familie aktiv ein. Seit 2024 ist sie auch für Kinder und Jugendliche eine Kassenleistung.
Willst du das mit jemandem besprechen?
Im kostenlosen Erstgespräch schaut Nike mit dir persönlich auf eure Situation — ohne Druck, ohne Verpflichtung.
Kostenloses Erstgespräch