Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, ICD F43.1) ist eine anhaltende psychische Reaktion nach einem oder mehreren stark bedrohlichen Ereignissen. Kinder erleben das Trauma ungewollt wieder, meiden Erinnerungen und sind ständig angespannt.
Inhalt
Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung?
Die Posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS, ist eine seelische Reaktion auf ein Ereignis, das ein Kind als lebensbedrohlich oder zutiefst überwältigend erlebt hat. Im Diagnoseschlüssel ICD-10 trägt sie die Nummer F43.1. Das Kernmerkmal: Das Erlebte lässt nicht los. Die Erinnerungen kehren von selbst zurück, oft plötzlich und mit voller Wucht, als würde alles noch einmal geschehen.
PTBS ist keine seltene Ausnahme. In einer großen US-Untersuchung hatten etwa 5 Prozent der Jugendlichen im Lauf ihres Lebens eine PTBS, Mädchen häufiger (7,3 Prozent) als Jungen (2,2 Prozent). Wichtig für Eltern: Ein Trauma führt nicht bei jedem Kind zu einer PTBS. Viele Kinder verarbeiten belastende Erlebnisse mit der Zeit und der richtigen Unterstützung, ohne dass eine Störung zurückbleibt.
Woran erkennen Eltern die Anzeichen?
Die Beschwerden lassen sich drei Gruppen zuordnen:
- Wiedererleben: Aufdringliche Bilder, Flashbacks und Albträume. Jüngere Kinder unter sechs Jahren zeigen das anders. Sie spielen das Geschehen immer wieder nach, und ihre Albträume lassen sich nicht klar dem Ereignis zuordnen.
- Vermeidung: Das Kind geht Orten, Menschen oder Gesprächen aus dem Weg, die es erinnern könnten. Manche wirken emotional wie abgeschaltet, ziehen sich von Freunden zurück oder verlieren Interesse an Dingen, die früher Freude gemacht haben.
- Übererregung: Schlafprobleme, starke Schreckreaktionen, Reizbarkeit, Wutausbrüche, Konzentrationsschwierigkeiten und ständige Wachsamkeit.
Dazu kommen oft negative Gedanken: Schuldgefühle, Misstrauen, das Gefühl, an dem Erlebten selbst schuld zu sein. Bei Schulkindern zeigt sich das manchmal als Bauchweh, Kopfschmerzen oder abrutschenden Noten, ohne dass ein Kind über das Trauma spricht.
Auslöser und Abgrenzung zur akuten Belastungsreaktion
Auslöser sind Ereignisse mit realer oder erlebter Todes- oder Verletzungsgefahr. Bei Kindern und Jugendlichen zählen dazu körperliche und sexuelle Übergriffe, schwere Unfälle, Hundebisse und Verletzungen wie Verbrennungen. Bei kleinen Kindern spielt häusliche Gewalt eine große Rolle, besonders Gewalt zwischen den Bezugspersonen.
Für die Einordnung ist der zeitliche Verlauf entscheidend. Die akute Belastungsreaktion setzt unmittelbar nach dem Ereignis ein und klingt bei den meisten innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen wieder ab. Halten Symptome drei Tage bis vier Wochen an, spricht die Fachwelt von einer akuten Belastungsstörung. Erst wenn die Beschwerden länger als einen Monat bestehen bleiben, wird eine PTBS geprüft. Sie kann auch verzögert beginnen, teils erst Wochen bis Monate nach dem Trauma.
Was bei der Behandlung hilft
Für Kinder und Jugendliche gilt die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als am besten belegter Ansatz. Das Kind lernt, über das Erlebte zu sprechen, ordnet es mit therapeutischer Begleitung ein und baut Schritt für Schritt die Angst vor Erinnerungen ab. Dazu gehören dosierte Übungen aus der Expositionstherapie, bei denen sich das Kind dem Vermiedenen im geschützten Rahmen nähert.
Als zweites gut untersuchtes Verfahren gilt EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), bei dem belastende Erinnerungen unter angeleiteten Augenbewegungen verarbeitet werden. Medikamente stehen bei Kindern nicht an erster Stelle. Sie kommen allenfalls ergänzend infrage, etwa bei begleitenden Ängsten oder Depressionen. Je früher eine passende Behandlung beginnt, desto besser sind meist die Aussichten.
Was Eltern tun können und wann Hilfe holen
Kinder brauchen nach einem Trauma vor allem Sicherheit und Verlässlichkeit. Feste Abläufe im Alltag, ein ruhiger Tagesrhythmus und die Rückkehr zu vertrauten Routinen geben Halt. Hören Sie zu, wenn Ihr Kind erzählen möchte, drängen Sie es aber nicht. Signalisieren Sie, dass die Reaktionen des Kindes verständlich sind und dass es nichts falsch gemacht hat.
Eine Psychoedukation für Eltern hilft, die Symptome besser zu verstehen und im Alltag ruhiger zu reagieren. Suchen Sie fachliche Unterstützung, wenn die Beschwerden länger als einen Monat anhalten, der Alltag stark leidet oder Ihr Kind von Selbstverletzung oder Todesgedanken spricht. In akuten Krisen ist die 112 oder eine Kinder- und Jugendpsychiatrie die richtige Anlaufstelle.
Eine Diagnose und die Behandlung einer PTBS gehören ausschließlich in die Hände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) oder einer ärztlichen beziehungsweise psychotherapeutischen Fachperson. Rückenwind begleitet Sie als Eltern coachend durch diese Zeit und ersetzt weder Diagnostik noch Psychotherapie.
Quellen & Weiterführende Links
- S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (AWMF-Reg.-Nr. 155/001)
- Akute und posttraumatische Belastungsstörungen (ABS und PTBS) bei Kindern und Jugendlichen – MSD Manual
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – Gesundheitsinformation.de (IQWiG)
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – Neurologen und Psychiater im Netz
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F43 (ICD-10)
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