Esststörungen ca. 3 Min. Lesezeit

Trigger

Ein Trigger ist ein Reiz, der bei einem Kind eine starke, oft überschießende Reaktion oder ein Symptom auslöst. Eltern können solche Auslöser erkennen und begleiten, ohne das Kind vor jedem Reiz abzuschirmen.

Inhalt

Was bedeutet „Trigger"?

„Trigger" kommt aus dem Englischen und heißt Auslöser. Gemeint ist ein Reiz, der bei einem Kind eine starke, oft überschießende Reaktion in Gang setzt: Panik, Wut, Ekel, der Drang zu hungern, sich zu verletzen oder sich zurückzuziehen. Der Reiz selbst wirkt für Außenstehende häufig harmlos. Ein Song, ein Geruch, ein Blick in den Spiegel, eine beiläufige Bemerkung über Essen. Für das Kind ist dieser Reiz mit etwas Belastendem verknüpft und ruft die alte Reaktion sofort wieder ab.

Der Begriff taucht bei verschiedenen Themen auf: bei Essstörungen, Angst, Selbstverletzung und bei der Posttraumatischen Belastungsstörung. Überall meint er dasselbe Grundmuster. Ein bestimmter innerer oder äußerer Reiz koppelt sich an eine belastende Erfahrung und löst später eine fast automatische Reaktion aus, die sich nur schwer willentlich stoppen lässt.

Woran Eltern Trigger erkennen

Trigger zeigen sich meist an der Lücke zwischen Anlass und Reaktion. Die Reaktion fällt viel heftiger aus, als die Situation sie erklären würde. Ein Kind verlässt abrupt den Tisch, ein anderes bekommt Herzrasen beim Betreten eines bestimmten Raums.

Typische Auslöser, die Eltern beschreiben:

  • soziale Medien mit bearbeiteten Körpern und Diät-Inhalten (siehe Essstörung und soziale Medien)
  • Gewicht, Spiegel, enge Kleidung, Umkleidekabinen
  • Konflikte, Kritik, Leistungsdruck vor Prüfungen
  • Jahrestage eines belastenden Ereignisses
  • bei Trauma: Gerüche, Geräusche, Orte oder Personen, die an das Erlebte erinnern

Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung kommen die Erinnerungen ungewollt zurück, als Bilder am Tag oder als Albträume in der Nacht (Fachbegriff: Intrusionen). Manche Kinder wirken dann für Sekunden weggetreten. Hilfreich ist die reine Beobachtung. Notieren Sie, was kurz vorher passiert ist, ohne dem Kind eine Absicht zu unterstellen.

Warum manche Reize so heftig wirken

Auslöser und Ursachen sind nicht dasselbe. Die Fachstelle für Essstörungen (BIÖG) trennt beides klar: Ursachen bestimmen die Neigung zu einer Erkrankung mit, ein Auslöser bringt sie zum Ausbruch. Ein Trigger schafft also selten allein ein Problem. Er trifft auf einen bereits belasteten Boden.

Bei Essstörungen wirken biologische, familiäre und soziokulturelle Faktoren zusammen. Vergleiche in sozialen Netzwerken, Schönheitsideale und Bemerkungen über die Figur können bei einem gefährdeten Kind eine Abwärtsspirale anstoßen.

Bei der Posttraumatischen Belastungsstörung erklärt sich die Wucht über das Gedächtnis. Das Gehirn hat den Reiz mit Gefahr verknüpft. Trifft ein Kind später auf einen ähnlichen Reiz, springt das Alarmsystem an, bevor der Verstand einordnen kann, dass keine echte Bedrohung besteht. Daraus folgen Übererregung, Schreckhaftigkeit und der Drang, alles zu meiden, was erinnert. Wie ein Kind lernt, mit diesen Wellen umzugehen, gehört zum Thema Emotionsregulation.

Vermeidung oder Bewältigung? Was Eltern tun können

Der Reflex vieler Eltern ist verständlich: jeden Auslöser fernhalten. Kurzfristig beruhigt das. Auf Dauer wächst dabei ein Problem, das die Fachwelt Vermeidungsverhalten nennt. Je konsequenter ein Kind Orte, Themen oder Situationen meidet, umso mächtiger wird der Auslöser. Der Radius wird enger, die Angst bleibt.

In der Traumatherapie wird deshalb mit dosierter, begleiteter Annäherung gearbeitet, damit das Kind erfährt, dass der Reiz aushaltbar ist und keine reale Gefahr folgt (siehe Expositionstherapie). Für den Alltag zu Hause bedeutet das:

  • den Auslöser ruhig benennen, ohne das Kind bloßzustellen
  • kleine Schritte zulassen statt kompletter Schonung
  • vorab einen Plan für den Moment absprechen, etwa Atmen, kurz rausgehen, jemanden ansprechen
  • eigene Ruhe halten, weil Kinder sich an der Reaktion der Eltern orientieren

Rückschläge gehören dazu. Ein alter Auslöser kann nach Monaten wieder greifen (siehe Rückfall). Das entwertet keine Fortschritte. Halten Sie fest, was schon einmal geholfen hat, und knüpfen Sie daran an.

Wann und wo Hilfe holen

Eltern dürfen Trigger einordnen und begleiten, sie sollen sie aber nicht selbst behandeln. Holen Sie fachliche Unterstützung, wenn Reaktionen den Alltag bestimmen, wenn Ihr Kind sich verletzt, Nahrung verweigert oder von Suizidgedanken spricht. Erste Anlaufstelle ist die kinder- und jugendpsychiatrische Praxis oder eine psychotherapeutische Fachperson.

Rückenwind Eltern begleitet Sie als Coaching durch diese Zeit, sortiert Beobachtungen mit Ihnen und stärkt Sie im Umgang mit dem Kind. Janike ist Sozialarbeiterin und Elterncoach in Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, sie stellt keine Diagnosen. Die Abklärung, ob hinter den Auslösern eine Essstörung, eine Angststörung oder eine Posttraumatische Belastungsstörung steht, und die Behandlung selbst gehören ausschließlich in die Hände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) oder einer ärztlichen beziehungsweise psychotherapeutischen Fachperson.

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