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Nachtaktivität / Nachtunruhe (ADHS)

Viele Kinder mit ADHS kommen abends schwer zur Ruhe, brauchen lange zum Einschlafen oder wachen nachts oft auf. Dahinter steckt meist eine gestörte Schlaf-Wach-Regulation, keine Absicht.

Inhalt

Was bedeutet Nachtaktivität bei ADHS?

Mit Nachtaktivität oder Nachtunruhe ist gemeint, dass ein Kind abends und nachts nicht in einen ruhigen Schlaf findet. Es dreht sich lange im Bett, redet, steht wieder auf, oder es schläft ein und wacht mitten in der Nacht auf und ist hellwach. Bei Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) tritt das deutlich häufiger auf als bei Gleichaltrigen.

Fachleute unterscheiden vor allem zwei Muster: Probleme beim Einschlafen (das Kind liegt lange wach) und Probleme beim Durchschlafen (das Kind wacht nachts auf und findet schwer zurück in den Schlaf). Einschlafschwierigkeiten sind dabei das häufigste Thema. Wichtig für Eltern: Diese Unruhe am Abend ist kein Trotz und kein Erziehungsfehler, sondern hängt eng mit der Art zusammen, wie das Gehirn bei ADHS arbeitet.

Woran erkennen Eltern die Schlafprobleme?

Schätzungen zufolge haben fast die Hälfte der Kinder mit ADHS zeitweise Schlafprobleme, etwa jedes zehnte Kind dauerhaft. Insgesamt sind Kinder mit ADHS zwei- bis dreimal so oft von Schlafstörungen betroffen wie andere Kinder. Typische Anzeichen sind:

  • Das Kind braucht abends sehr lange, bis es zur Ruhe kommt, und wirkt dabei oft noch aufgedreht.
  • Es sträubt sich gegen das Zubettgehen oder hat Angst davor, allein einzuschlafen.
  • Es wacht nachts mehrmals auf oder ist morgens schwer aus dem Bett zu bekommen.
  • Tagsüber wirkt es übermüdet, gereizt oder noch zappeliger als sonst.

Zu wenig Schlaf kann die ADHS-Anzeichen verstärken. Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Reizbarkeit nehmen dann zu, und Familie wie Schule geraten schneller in einen anstrengenden Kreislauf.

Warum schlafen Kinder mit ADHS oft schlechter?

Der Schlaf wird über ein inneres Regulationssystem gesteuert, das den Wechsel zwischen Wachheit und Ruhe organisiert (Schlaf-Wach-Regulation). Bei ADHS scheint dieser Rhythmus störanfälliger zu sein. Forschungsarbeiten weisen auf Veränderungen im zentralen Nervensystem und im Botenstoffhaushalt hin, die sowohl bei der ADHS als auch beim Schlaf eine Rolle spielen. Das Kind kann abends schlecht herunterfahren, weil Kopf und Körper noch auf Aktivität eingestellt sind.

Dazu kommt die innere Unruhe: Viele Kinder erleben in der stillen Abendsituation einen Gedankenstrom, der nicht abreißt. Ohne Ablenkung von außen wird diese Anspannung oft sogar spürbarer.

Auch die Behandlung kann den Schlaf beeinflussen. Stimulanzien wie Methylphenidat wirken anregend und können, vor allem bei später Einnahme oder Umstellung der Dosis, das Einschlafen erschweren. Ob und wie stark das passiert, ist von Kind zu Kind verschieden. Manche Kinder schlafen unter guter Einstellung sogar ruhiger, weil die innere Unruhe nachlässt. Fragen zur Dosis und zum Einnahmezeitpunkt gehören immer in die Hand der behandelnden Ärztin oder des Arztes. Wenn Eltern hier unsicher sind, hilft ein offenes Gespräch über die Zweifel an der Medikation weiter.

Was hilft? Schlafhygiene im Alltag

Als erster und wichtigster Schritt gilt die Schlafhygiene. Damit sind feste Gewohnheiten am Tag, am Abend und in der Nacht gemeint, die dem Körper das Einschlafen erleichtern. Sie lässt sich an das Alter und die Situation des Kindes anpassen. Bewährt haben sich:

  • Feste Zeiten: möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und aufstehen, auch am Wochenende.
  • Ruhiges Abendritual: immer die gleiche Abfolge, etwa Waschen, Vorlesen, gedämpftes Licht. Wiederholung gibt dem Gehirn ein Signal zur Ruhe.
  • Bildschirme früh aus: Handy, Tablet und Fernseher mindestens eine Stunde vor dem Schlafen weglegen.
  • Bewegung am Tag, Ruhe am Abend: aufregende Spiele und Zucker vor dem Schlafen vermeiden.
  • Reize dämpfen: ein dunkles, kühles und leises Zimmer hilft, damit weniger von außen aufgenommen wird.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann ärztlich begleitet auch ein Verhaltenstraining oder in bestimmten Fällen das Schlafhormon Melatonin geprüft werden. Solche Schritte sind Teil einer multimodalen Therapie, die verschiedene Bausteine verbindet, statt nur an einer Stelle anzusetzen.

Wann und wo Hilfe holen?

Ein ärztlicher Rat ist sinnvoll, wenn die Schlafprobleme über Wochen anhalten, das Kind tagsüber stark leidet oder die ganze Familie an ihre Grenzen kommt. Auffällig sind auch nächtliche Atemaussetzer, starkes Schnarchen oder ein Ziehen und Zucken in den Beinen. Dahinter können eigene Schlafstörungen stecken, die behandelbar sind und manchmal ADHS-ähnliche Anzeichen erst auslösen. Deshalb lohnt sich eine genaue Abklärung, bevor man alles der ADHS zuschreibt.

Erste Anlaufstelle ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt, bei Bedarf folgt die Überweisung in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie. Als Eltern können Sie viel begleiten und entlasten, doch die Einordnung der Beschwerden, eine Diagnose und Entscheidungen über Medikamente gehören ausschließlich in die Hände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) oder einer ärztlichen beziehungsweise psychotherapeutischen Fachperson. Rückenwind versteht sich als Begleitung und Coaching an Ihrer Seite und ersetzt diese fachliche Abklärung nicht.

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