Psychodynamische Therapie
Die psychodynamische Therapie (auch tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) ist eines der von den Krankenkassen anerkannten Richtlinienverfahren in Deutschland. Sie geht davon aus, dass hinter seelischen Beschwerden unbewusste Konflikte und prägende Beziehungserfahrungen stehen.
Inhalt
Was bedeutet psychodynamische Therapie?
Psychodynamische Therapie ist ein Sammelbegriff für Psychotherapie-Formen, die aus der Psychoanalyse hervorgegangen sind. In Deutschland ist damit meist die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie gemeint, oft mit TP abgekürzt. Sie zählt neben der Verhaltenstherapie, der analytischen Psychotherapie und der systemischen Therapie zu den vier Richtlinienverfahren (von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte, wissenschaftlich anerkannte Verfahren).
Die Grundannahme ist einfach beschrieben: Seelische Beschwerden entstehen nicht zufällig. Dahinter stehen oft innere Konflikte, die einem Menschen selbst nicht bewusst sind. In der Therapie bekommen diese verborgenen Themen einen Ort. Anders als in der klassischen Psychoanalyse mit der berühmten Couch sitzen sich Behandelnde und Patient in der TP gegenüber, und die Therapeutin oder der Therapeut bringt sich aktiver ein.
Die Grundidee: unbewusste Konflikte und Beziehungen
Die psychodynamische Therapie nimmt an, dass die Ursache seelischer Probleme in unbewussten inneren Konflikten liegt. Solche Konflikte entstehen häufig aus belastenden oder unverarbeiteten Erfahrungen in der eigenen Geschichte, oft aus früheren Beziehungen und der Kindheit. Symptome wie Ängste, Niedergeschlagenheit oder körperliche Beschwerden lassen sich dann als Versuch verstehen, mit diesem inneren Druck umzugehen.
Ein zweiter Baustein ist die Beziehung. Wie ein Mensch Nähe, Vertrauen oder Enttäuschung erlebt, prägt sich früh. Diese Muster zeigen sich auch in der Therapie selbst. Behandelnde und Patient bauen bewusst eine tragfähige, stabile Beziehung auf. In diesem geschützten Rahmen wird der Zugang zu schmerzhaften, biografisch geprägten Gefühlen möglich, ohne dass man damit allein bleibt.
Der Blick richtet sich dabei stark auf das Hier und Jetzt: aktuelle Konflikte im Alltag werden verstanden und mit ihren tieferen Wurzeln verbunden. Ziel ist ein besseres Verständnis der eigenen Gefühle und mehr Handlungsspielraum.
Unterschied zur Verhaltenstherapie
Beide Verfahren sind anerkannt und wirksam, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Die Verhaltenstherapie und besonders die kognitive Verhaltenstherapie arbeiten vor allem gegenwarts- und lösungsorientiert. Sie schauen darauf, welche Gedanken und Verhaltensweisen ein Problem aufrechterhalten, und üben gezielt neue.
Die psychodynamische Therapie geht einen Schritt tiefer nach den Ursprüngen. Sie fragt, welche unbewussten Konflikte und Beziehungserfahrungen hinter einem Muster stehen, und will diese verstehbar machen. Weitere Unterschiede:
- Zeithorizont: Verhaltenstherapie ist oft klarer strukturiert und mit Übungen zwischen den Sitzungen verbunden; psychodynamische Therapie gibt dem Verstehen der Vorgeschichte mehr Raum.
- Dauer: Eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie dauert in der Regel etwa sechs Monate bis zwei Jahre.
- Haltung: Im Zentrum steht das gemeinsame Verstehen der inneren Welt, nicht in erster Linie das Trainieren einzelner Fertigkeiten.
Welches Verfahren passt, hängt vom Kind, vom Anliegen und auch davon ab, was sich für die Familie stimmig anfühlt.
Wie sieht das bei Kindern und Jugendlichen aus?
Bei Kindern und Jugendlichen wird psychodynamische Therapie altersgerecht gestaltet. Kleine Kinder können ihre inneren Themen noch nicht in Worte fassen. Deshalb spielt die Spieltherapie eine große Rolle: Im Spiel, mit Figuren, Bildern oder Rollenspielen zeigt sich, was ein Kind beschäftigt, und es kann bearbeitet werden. Ausführlichere Gespräche werden meist erst ab etwa zehn bis zwölf Jahren möglich.
Ein zweiter wichtiger Punkt: Die Eltern und nahen Bezugspersonen werden einbezogen. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ist immer ein Prozess, der das Kind gemeinsam mit seinem familiären Umfeld in den Blick nimmt. Oft gibt es begleitende Elterngespräche. Das ist keine Schuldzuweisung. Es erkennt an, dass Kinder in Beziehungen aufwachsen und Veränderung im ganzen System leichter gelingt.
Für die psychodynamische Arbeit mit Kindern gibt es speziell ausgebildete Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten. Verwandt ist die fokale psychodynamische Therapie, die sich auf ein zentrales Thema konzentriert.
Kostenübernahme und wo Eltern Hilfe finden
Weil die psychodynamische beziehungsweise tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ein Richtlinienverfahren ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bei entsprechender Indikation. Auch die analytische Psychotherapie und die Verhaltenstherapie sind bei Kindern und Jugendlichen anerkannt und werden bezahlt. In der Regel gibt es zuerst probatorische Sitzungen (Kennenlern- und Abklärungsstunden), bevor die eigentliche Therapie beantragt wird.
Erster Weg für Eltern ist der Kontakt zu einer psychotherapeutischen Praxis mit Kassenzulassung oder zur kinderärztlichen Praxis, die weiterverweisen kann. Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind leider häufig; die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung helfen bei der Suche.
Rückenwind begleitet und stärkt Eltern, ersetzt aber keine Diagnostik und keine Psychotherapie. Ob bei Ihrem Kind eine psychische Erkrankung vorliegt und welche Behandlung sinnvoll ist, kann ausschließlich eine ärztliche oder psychotherapeutische Fachperson beurteilen, insbesondere eine Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP).
Quellen & Weiterführende Links
- Tiefenpsychologisch fundierte / dynamische Psychotherapie – Neurologen und Psychiater im Netz
- Psychotherapeutische Verfahren bei Kindern und Jugendlichen – Neurologen und Psychiater im Netz
- Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie – Glossar, gesundheitsinformation.de (IQWiG)
- G-BA prüft Richtlinienpsychotherapie erneut – Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)
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