Fokale Psychodynamische Therapie (FPT)
Die Fokale Psychodynamische Therapie (FPT) ist eine zeitlich begrenzte Gesprächstherapie für Erwachsene mit Magersucht. Sie arbeitet an den seelischen Themen hinter dem Hungern und wurde in der deutschen ANTOP-Studie untersucht.
Inhalt
Was ist die Fokale Psychodynamische Therapie?
Die Fokale Psychodynamische Therapie (kurz FPT) ist eine Form der Gesprächspsychotherapie für Erwachsene mit Magersucht. Das Wort „fokal" bedeutet, dass die Behandlung einem roten Faden folgt, statt alle Lebensthemen auf einmal aufzurollen. „Psychodynamisch" verweist auf die Denkschule dahinter: die Annahme, dass das Hungern mit unbewussten Konflikten, mit Beziehungen und mit dem eigenen Selbstbild zu tun hat.
Die FPT ist von Anfang an befristet. In der Studie, die sie bekannt gemacht hat, umfasste sie rund 40 Sitzungen über etwa zehn Monate. Sie gehört zur Familie der psychodynamischen Verfahren, wurde aber eigens für die Anorexie zugeschnitten. Damit ist sie kürzer und stärker auf die Erkrankung ausgerichtet als eine klassische, offene Psychoanalyse.
Wie die FPT bei Magersucht arbeitet
Störungsorientiert heißt: Gewicht und Essverhalten liegen von der ersten Stunde an auf dem Tisch, nicht erst nach Jahren. Die Behandlung ist in drei Abschnitte gegliedert.
- Zu Beginn geht es um eine tragfähige Beziehung zur Therapeutin und um den Selbstwert, der bei vielen Betroffenen fest ans Gewicht gekoppelt ist.
- In der Mitte rücken die wichtigen Beziehungen ins Blickfeld, auch die zur Familie, und die Frage, welche Aufgabe das Hungern im Leben der jungen Frau übernommen hat.
- Am Schluss stehen der Übertrag in den Alltag und der Abschied von der Behandlung.
Die Therapeutin drängt nicht allein aufs Zunehmen. Sie versucht zu verstehen, was das Kontrollieren des Essens für die Betroffene leistet, etwa ein Gefühl von Sicherheit oder von Können. Diese Sichtweise unterscheidet die FPT von einem reinen Ess- und Gewichtstraining.
Was die ANTOP-Studie gezeigt hat
Die FPT wurde in der ANTOP-Studie geprüft, der bis dahin größten ambulanten Psychotherapie-Studie zur Anorexie weltweit. 242 erwachsene Patientinnen an zehn deutschen Universitätskliniken nahmen teil, unter Leitung der Uniklinik Tübingen (Stephan Zipfel) und Heidelberg (Wolfgang Herzog). Die Ergebnisse erschienen 2014 im Fachjournal The Lancet.
Verglichen wurden drei Wege: die FPT, eine erweiterte kognitive Verhaltenstherapie und eine optimierte Standardbehandlung bei niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten. Alle drei Gruppen nahmen im Schnitt an Gewicht zu. Am Ende der zwölfmonatigen Nachbeobachtung zeigte die FPT Vorteile bei der Genesungsrate. Die Verhaltenstherapie ließ das Gewicht rascher steigen. Frauen aus der FPT-Gruppe brauchten seltener eine zusätzliche stationäre Aufnahme in der Klinik.
Für die Praxis bedeutet das: Bei erwachsenen Frauen mit Anorexie gibt es mehr als einen wirksamen Weg, und die FPT gehört nachweislich dazu.
Für wen die FPT passt und für wen eher nicht
Ein Punkt ist für Eltern wichtig. Die ANTOP-Studie schloss ausschließlich erwachsene Frauen ein. Für Kinder und Jugendliche mit Magersucht sieht die Versorgung anders aus. Hier gilt die familienbasierte Therapie als erste Wahl. Dort sitzen die Eltern von Beginn an mit im Raum und übernehmen anfangs die Verantwortung für die Mahlzeiten, bis das Kind sie Schritt für Schritt zurückbekommt.
Die FPT kommt daher vor allem infrage, wenn die betroffene Person bereits volljährig ist oder wenn eine familienbasierte Behandlung nicht möglich war. Auch der Zeitpunkt zählt: Bei sehr niedrigem Gewicht oder körperlicher Gefahr steht zuerst die medizinische Stabilisierung an, oft in einer Klinik. Eine ambulante Gesprächstherapie schließt sich dann an oder begleitet die Nachsorge.
Wann und wo Eltern Hilfe holen
Wenn Ihr Kind stark abnimmt, das Essen einschränkt, viel über Figur und Kalorien spricht oder sich zurückzieht, ist der erste Weg die Kinderärztin oder der Hausarzt. Von dort führt der Weg zur Kinder- und Jugendpsychiatrie oder zu einer spezialisierten Essstörungs-Ambulanz. Diese Stellen können Gewicht und Blutwerte prüfen, eine Diagnose stellen und die passende Therapieform mit Ihnen besprechen, sei es familienbasiert, verhaltenstherapeutisch oder psychodynamisch.
Wichtig zu wissen: Ob die FPT oder ein anderes Verfahren zu Ihrem Kind passt, entscheidet keine allgemeine Regel, sondern eine Fachperson, die Ihr Kind untersucht hat. Als Elterncoach begleitet Janike Sie beim Verstehen, Sortieren und Durchhalten, sie ist Sozialarbeiterin in Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und nicht approbiert. Rückenwind Eltern ist Begleitung und Coaching, keine Psychotherapie und keine Diagnostik. Die Abklärung und Behandlung einer Magersucht gehört ausschließlich in die Hände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie oder einer ärztlichen beziehungsweise psychotherapeutischen Fachperson.
Quellen & Weiterführende Links
- S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen (AWMF-Reg.-Nr. 051-026)
- Zipfel S. et al.: Focal psychodynamic therapy, cognitive behaviour therapy, and optimised treatment as usual in outpatients with anorexia nervosa (ANTOP study). The Lancet, 2014
- Magersucht (Anorexie) – Behandlung. Gesundheitsinformation.de (IQWiG)
- Magersucht (Anorexia nervosa) – Therapie. Neurologen und Psychiater im Netz
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