Pica
Pica ist eine Essstörung, bei der ein Kind wiederholt nicht-essbare Dinge wie Erde, Kreide oder Papier isst. Dieser Beitrag erklärt Eltern Anzeichen, Ursachen und wann Hilfe nötig ist.
Inhalt
Was bedeutet Pica?
Pica (auch Pica-Syndrom) ist eine Essstörung, bei der ein Kind über längere Zeit immer wieder Dinge in den Mund nimmt und schluckt, die keine Nahrung sind und keinen Nährwert haben. Dazu gehören zum Beispiel Erde, Sand, Kreide, Papier, Haare, Seife, Farbe oder Wandputz. Der Name geht auf das lateinische Wort für die Elster (Pica pica) zurück, einen Vogel, der wahllos Dinge sammelt.
Von Pica wird gesprochen, wenn dieses Verhalten mindestens einen Monat anhält und nicht mehr zum Entwicklungsstand des Kindes passt. In der internationalen Klassifikation trägt Pica die Ziffer F98.3, im amerikanischen Handbuch DSM-5 läuft sie unter dem Namen Pica. Anders als bei einer Essstörung wie Magersucht geht es bei Pica um das, was ein Kind isst, weniger um Menge oder Körpergewicht.
Woran erkennen Eltern Pica?
Viele Babys und Kleinkinder stecken Dinge in den Mund, um ihre Welt zu erkunden. In den ersten ein bis zwei Lebensjahren ist das ein normaler Teil der Entwicklung und kein Grund zur Sorge. Von Pica sprechen Fachleute erst, wenn ein Kind alt genug ist, um Essbares von Nicht-Essbarem zu unterscheiden, und trotzdem regelmäßig nicht-essbare Dinge isst.
Anzeichen, auf die Eltern achten können:
- Das Kind isst wiederholt und gezielt bestimmte nicht-essbare Stoffe, etwa Erde, Kreide oder Papier.
- Das Verhalten hält über Wochen an und lässt sich schwer unterbrechen.
- Es treten körperliche Folgen auf, zum Beispiel Bauchschmerzen, Verstopfung oder auffällige Blutwerte.
Kurzes, einmaliges Probieren aus Neugier ist etwas anderes als ein wiederkehrendes Muster. Auch die Nahrungsverweigerung im Kleinkindalter und das eingeschränkte Essverhalten bei ARFID sind eigene Situationen, die von Pica zu unterscheiden sind.
Wie entsteht Pica?
Pica hat mehrere mögliche Ursachen. Häufig kommt es bei Kindern vor, deren Entwicklung anders verläuft, etwa bei Kindern im Autismus-Spektrum, mit einer Intelligenzminderung oder mit anderen psychischen Belastungen. Für diese Kinder kann das Kauen und Schlucken bestimmter Materialien reizvoll oder beruhigend wirken.
In selteneren Fällen steckt ein Mangel dahinter: Fehlt dem Körper zum Beispiel Eisen oder Zink, kann ein Verlangen nach ungewöhnlichen Substanzen wie Lehm oder Sand entstehen. Deshalb gehört zur Abklärung immer auch ein Blick auf die Blutwerte.
Wie oft Pica vorkommt, lässt sich schwer sagen. In einer Leipziger Untersuchung mit rund 800 Kindern zwischen 7 und 14 Jahren aßen knapp fünf Prozent wiederholt Dinge, die nicht zum Verzehr geeignet sind. Bei jüngeren Kindern ist solches Verhalten deutlich häufiger und verliert sich oft von selbst, wenn sie älter werden.
Was hilft?
An erster Stelle steht die Sicherheit des Kindes, denn manche verschluckten Stoffe sind gefährlich. Farbe kann Blei enthalten, verschluckte Gegenstände können zu einem Darmverschluss führen, Erde kann Parasiten übertragen. Für Eltern heißt das im Alltag:
- Kleinteile und riskante Materialien außer Reichweite bringen.
- Auf eine sichere, gut beaufsichtigte Umgebung achten.
- Bei kleinen Kindern den Mundinhalt im Blick behalten.
Liegt ein Nährstoffmangel vor, wird dieser gezielt behandelt, und oft bessert sich das Verhalten dann. Ist kein Mangel die Ursache, hat sich vor allem eine Verhaltenstherapie bewährt, bei der das Kind Schritt für Schritt lernt, nicht-essbare Dinge nicht mehr zu essen. Eigene, breit gesicherte Standardtherapien gibt es für Pica bisher wenige, deshalb wird die Begleitung individuell auf das einzelne Kind abgestimmt.
Wann und wo Hilfe holen?
Eltern sollten fachlichen Rat suchen, wenn ihr Kind wiederholt nicht-essbare Dinge isst, wenn körperliche Beschwerden auftreten oder wenn sie unsicher sind, ob das Verhalten noch zur normalen Entwicklung gehört. Erste Ansprechpartnerin ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt. Dort lässt sich klären, ob ein Mangel oder eine gesundheitliche Gefahr vorliegt und ob eine Überweisung sinnvoll ist.
Bei anhaltendem oder ausgeprägtem Pica erfolgt die weitere Abklärung in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, oft gemeinsam mit anderen Fachleuten. Das kann Eltern entlasten, weil sie die Verantwortung nicht allein tragen.
Rückenwind Eltern begleitet Sie dabei als Coaching, ersetzt aber keine ärztliche Behandlung. Eine Diagnose und die Entscheidung über eine Therapie können ausschließlich eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder eine ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Fachperson treffen.
Quellen & Weiterführende Links
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