Essstörungen F50 ca. 3 Min. Lesezeit

Essstörung und Pubertät (Zusammenhang aus Elternsicht)

Essstörungen beginnen oft in der Pubertät, wenn Körper, Autonomie und Identität in Bewegung geraten. Dieser Beitrag hilft Eltern, normale Essphasen von echten Warnzeichen zu unterscheiden.

Inhalt

Warum gerade in der Pubertät?

Die meisten Essstörungen zeigen sich zum ersten Mal zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr. In diesem Fenster fällt vieles zusammen. Der Körper wandelt sich in wenigen Monaten, das Gewicht steigt, Formen verändern sich, und das eigene Spiegelbild fühlt sich fremd an. Gleichzeitig lösen sich Jugendliche von den Eltern und suchen eine eigene Haltung zu Aussehen, Leistung und Zugehörigkeit.

Essen ist einer der wenigen Bereiche, über den ein Teenager fast allein bestimmt. Wer im Alltag wenig Einfluss spürt, kann über Portionen, Kalorien oder Sport ein Gefühl von Kontrolle herstellen. Bei der Magersucht wird dieses Muster besonders deutlich. Nach Erhebungen unter deutschen Jugendlichen zeigt etwa jede fünfte Person zwischen 11 und 17 Jahren Hinweise auf ein gestörtes Essverhalten, bei Mädchen zwischen 14 und 17 sogar rund jede dritte.

Was Autonomie und Identität damit zu tun haben

Die Pubertät ist die Zeit, in der Jugendliche herausfinden, wer sie sein wollen. Der Körper wird zur Bühne dafür. Ein flacher Bauch oder eine sichtbare Muskulatur steht dann für Disziplin, Erfolg oder Selbstwert. Läuft in der Schule, in Freundschaften oder in der Familie etwas schief, rückt der Körper als ein Feld in den Vordergrund, das sich scheinbar formen lässt.

Dazu kommt der Vergleich. In Klassenchats, auf Sportplätzen und in sozialen Netzwerken sehen Jugendliche ständig bearbeitete Körper und hören Kommentare über Figuren. Wie stark dieser Druck wirkt, beschreibt der Beitrag zu Essstörung und soziale Medien. Ein Teenager, der abnimmt oder das Essen umstellt, ist damit noch nicht krank. Zum Warnsignal wird es, wenn Gedanken an Essen, Gewicht und Figur den Alltag beherrschen.

Normale Essphasen und echte Warnzeichen unterscheiden

Viele Jugendliche probieren Ernährung aus. Sie werden vegetarisch, lassen eine Mahlzeit aus, essen tagelang das Gleiche oder haben nach dem Sport großen Hunger. Solche Phasen gehören zum Größerwerden und gehen meist von selbst vorbei.

Anders wird es, wenn feste Regeln und Angst dazukommen. Achten Sie auf:

  • starre Rituale beim Essen, etwa Lebensmittel wiegen, zerkleinern oder nur zu bestimmten Zeiten essen
  • Rückzug bei gemeinsamen Mahlzeiten, Ausreden wie „schon gegessen" oder Essen allein im Zimmer
  • ständiges Beschäftigen mit Kalorien, Gewicht und Figur, häufiges Wiegen oder Kontrollblicke in den Spiegel
  • heimliches Essen großer Mengen, danach Toilettengänge oder übermäßiger Sport
  • schneller Gewichtsverlust, ausbleibende Regelblutung, ständiges Frieren oder Erschöpfung

Ein einzelner Punkt ist noch kein Beweis. Häufen sich die Zeichen über Wochen und verändert sich Ihr Kind auch in Stimmung und Antrieb, sollten Sie genauer hinsehen.

Wann und wie Eltern eingreifen

Warten Sie nicht, bis das Gewicht bedrohlich niedrig ist. Eine Essstörung, die früh angesprochen und behandelt wird, hat bessere Aussichten auf Besserung. Suchen Sie einen ruhigen Moment ohne Teller auf dem Tisch. Beschreiben Sie, was Sie konkret beobachtet haben, ohne Vorwürfe: „Mir fällt auf, dass du seit einigen Wochen das Abendessen auslässt und viel joggst."

Rechnen Sie mit Abwehr. Viele Betroffene erleben ihr Verhalten lange nicht als Problem und spielen Sorgen herunter. Bleiben Sie trotzdem ruhig und dran. Halten Sie die gemeinsamen Mahlzeiten als festen Rahmen, ohne den Esstisch zum täglichen Schlachtfeld zu machen. Holen Sie sich früh Rat, auch wenn Ihr Kind zunächst blockt. Um sich Unterstützung zu suchen, brauchen Sie keine sichere Diagnose.

Wo Eltern Abklärung und Hilfe bekommen

Erste Anlaufstelle ist die kinder- und jugendärztliche Praxis. Dort lassen sich Gewicht, Wachstum und körperliche Folgen einschätzen und Überweisungen anstoßen. Kostenfreie und anonyme Beratung bietet das Essstörungsportal des BIÖG, telefonisch und online, ausdrücklich auch für Eltern und Angehörige.

Für Jugendliche mit Magersucht gilt die familienbasierte Therapie als gut belegter Ansatz. Dabei werden Eltern aktiv einbezogen und übernehmen zeitweise wieder Verantwortung für die Mahlzeiten. Welche Behandlung passt, hängt von Alter, Form und Schwere ab.

Rückenwind begleitet Sie als Eltern durch diese Zeit, ersetzt aber keine Heilbehandlung. Eine gesicherte Diagnose und die medizinische Behandlung einer Essstörung gehören ausschließlich in die Hände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie oder einer ärztlichen beziehungsweise psychotherapeutischen Fachperson.

Willst du das mit jemandem besprechen?

Im kostenlosen Erstgespräch schaut Nike mit dir persönlich auf eure Situation — ohne Druck, ohne Verpflichtung.

Kostenloses Erstgespräch