A
- Achtsamkeit (Mindfulness)
Achtsamkeit heißt, die Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu richten und das Erlebte wahrzunehmen, ohne es sofort zu bewerten. Für gestresste Eltern ist sie eine erlernbare Fähigkeit, die den Alltag etwas ruhiger machen kann.
- ACT (Akzeptanz- und Commitment-Therapie)
Verhaltenstherapeutischer Ansatz, der Akzeptanz von Unvermeidbarem und werteorientiertes Handeln fördert
- ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
ADHS ist eine neurobiologisch bedingte Störung der Selbststeuerung mit Unaufmerksamkeit, innerer Unruhe und Impulsivität. Sie beginnt im Kindesalter, ist gut behandelbar und kein Ergebnis falscher Erziehung.
- ADHS und Geschwisterdynamik
ADHS eines Kindes verändert auch die Geschwisterbeziehungen. Konflikte, geteilte Aufmerksamkeit und Fairness-Fragen belasten Geschwisterkinder oft besonders.
- Adjustment Disorder (Anpassungsstörung)
Reaktion auf psychosoziale Belastungen, die über eine normale Reaktion hinausgeht und klinisch bedeutsames Leiden oder Beeinträchtigungen verursacht
- Akute Belastungsreaktion
Die akute Belastungsreaktion (F43.0) ist eine kurze, heftige seelische und körperliche Antwort auf ein sehr belastendes Ereignis. Sie beginnt sofort und klingt meist innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen wieder ab.
- Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist eine moderne Form der Verhaltenstherapie. Sie hilft, belastende Gefühle anzunehmen und das eigene Handeln an persönlichen Werten auszurichten, statt gegen schwierige Gedanken anzukämpfen.
- Alltagssprache (Eltern)
Alltagssprache heißt, medizinische Fachbegriffe rund um psychische Themen in Worte zu übersetzen, die Kind und Familie verstehen. Das nimmt Angst und macht Diagnosen begreifbar.
- Am Ende sein
„Am Ende sein“ ist der Alltagsausdruck von Eltern für das Gefühl, körperlich und seelisch nichts mehr geben zu können. Dahinter steckt oft eine chronische Überlastung, die sich über Monate aufgebaut hat.
- Ambivalenz der Besserung (Wenn Fortschritt sich seltsam anfühlt)
Wenn es einem Kind nach langer Belastung besser geht, mischen sich oft Freude und Unbehagen. Diese Ambivalenz gehört zum Genesungsweg und sagt nichts über einen Rückschritt aus.
- Anorexia (Symptom)
Appetitlosigkeit als Symptom, nicht die spezifische Diagnose Anorexia Nervosa
- Anorexia Nervosa (Magersucht)
Anorexia nervosa ist der medizinische Fachbegriff für die Essstörung, die im Alltag Magersucht heißt. Kennzeichnend sind selbst herbeigeführtes Untergewicht, große Angst vor Gewichtszunahme und eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers.
- Anorexia Nervosa, Binge-Eating/Purging Type
Subtyp der Anorexia Nervosa, bei dem neben restriktivem Essverhalten auch Essanfälle und/oder selbstinduziertes Erbrechen oder andere kompensatorische Verhaltensweisen auftreten
- Anorexia Nervosa, Restricting Type
Subtyp der Anorexia Nervosa, bei dem das Untergewicht primär durch Hungern, Diäten oder exzessiven Sport erreicht wird, ohne regelmäßige Essanfälle oder Purging-Verhalten
- Anorexia Nervosa, Unspecified
Diagnose, wenn die Kriterien für Anorexia Nervosa erfüllt sind, aber der Subtyp nicht spezifiziert ist
- Anpassungsstörung
Eine Anpassungsstörung ist eine seelische Reaktion, wenn ein Kind ein einschneidendes Ereignis wie Trennung, Umzug oder Verlust schwer verkraftet. Die Beschwerden belasten stark, sind aber meist zeitlich begrenzt.
- Anstrengung
Anstrengung gehört zum Familienalltag. Problematisch wird sie, wenn sie nie aufhört und in chronische Überlastung kippt. Der Beitrag zeigt den Unterschied und wie Eltern Kräfte einteilen.
- Attention-Deficit Hyperactivity Disorder (ADHS)
Siehe ADHS
- Atypical Anorexia Nervosa
Essstörung mit Merkmalen der Anorexia Nervosa, bei der jedoch trotz signifikantem Gewichtsverlust das Gewicht im Normalbereich oder darüber liegt
- Atypical Bulimia Nervosa
Essstörung mit Merkmalen der Bulimia Nervosa, bei der jedoch nicht alle diagnostischen Kriterien (z.B. Häufigkeit der Essanfälle/Purging) erfüllt sind
- Auffällig
„Auffällig" beschreibt ein Kind, dessen Verhalten oder Entwicklung jemandem als von der Erwartung abweichend aufgefallen ist. Das Wort ist eine Beobachtung von außen und keine Diagnose.
- Ausgebrannt
"Ausgebrannt" ist das Alltagswort für Burnout: ein Zustand emotionaler Erschöpfung, innerer Distanz und nachlassender Leistung nach langer Dauerbelastung.
- Ausgelaugt
Ausgelaugt beschreibt das Gefühl, körperlich und seelisch leer und kraftlos zu sein. Meist entsteht es aus Dauerbelastung, Schlafmangel und fehlender Erholung.
- Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder (ARFID)
Essstörung gekennzeichnet durch eine vermeidende oder restriktive Nahrungsaufnahme, die zu Gewichtsverlust, Nährstoffmangel oder Abhängigkeit von Sondennahrung führt, ohne die Angst vor Gewichtszunahme oder Körperbildstörung der Anorexie
B
- Behavior Therapy (Verhaltenstherapie)
Therapieansatz, der auf der Lerntheorie basiert und darauf abzielt, problematisches Verhalten durch systematische Trainings und Anpassung von Umweltbedingungen zu verändern
- Bewältigungsstrategien (Coping)
Bewältigungsstrategien (Coping) sind die Wege, mit denen ein Mensch mit Belastung umgeht. Manche entlasten dauerhaft, andere verschaffen nur kurz Ruhe.
- Binge-Eating-Störung
Die Binge-Eating-Störung ist eine Essstörung mit wiederkehrenden Essanfällen, bei denen Betroffene große Mengen essen und die Kontrolle verlieren. Anders als bei der Bulimie folgen keine Gegenmaßnahmen wie Erbrechen.
- Binge-Eating/Purging Type (Anorexia Nervosa)
Siehe Anorexia Nervosa, Binge-Eating/Purging Type
- Bremse ziehen
„Die Bremse ziehen" heißt, im Alltag bewusst das Tempo zu drosseln, Pausen einzuplanen und Aufgaben zu reduzieren, bevor die Überlastung den Körper zwingt.
- Bulimia Nervosa (Ess-Brech-Sucht)
Bulimia nervosa (Bulimie, Ess-Brech-Sucht) ist eine Essstörung mit wiederkehrenden Essanfällen und anschließendem Gegensteuern, meist durch Erbrechen. Das Gewicht ist oft normal, deshalb bleibt sie lange unbemerkt.
- Burn-out
Zustand ausgesprochener emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung aufgrund chronischer beruflicher oder privater Überlastung
- Burnout
Burnout beschreibt eine tiefe Erschöpfung nach langer Überlastung. Bei Eltern entsteht sie oft durch die Dauerbegleitung eines psychisch belasteten Kindes. Der ICD-Schlüssel Z73.0 erfasst diesen Zustand als Belastungsfaktor und gilt nicht als eigenständige Krankheitsdiagnose.
- Burnout-Prophylaxe für Eltern (Vorsorge statt Nachsorge)
Burnout-Prophylaxe für Eltern bedeutet, der eigenen Erschöpfung vorzubeugen, bevor sie zur Überlastung wird. Frühe Warnzeichen ernst nehmen, Entlastung organisieren und sich selbst nicht als Letztes auf die Liste setzen.
C
- CBT (Kognitive Verhaltenstherapie)
Siehe Kognitive Verhaltenstherapie
- Chronisch übermüdet
Chronisch übermüdet bedeutet eine dauerhafte Müdigkeit durch anhaltenden Schlafmangel oder Dauerbelastung, die sich mit einer einzelnen erholsamen Nacht nicht mehr auffüllen lässt.
- Co-Regulation
Co-Regulation beschreibt, wie Kinder ihre Gefühle und ihr Verhalten mithilfe einer ruhigen, verlässlichen Bezugsperson regulieren lernen, lange bevor sie das alleine schaffen.
- Coping (Bewältigungsstrategien)
Siehe Bewältigungsstrategien
D
- DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie)
Siehe Dialektisch-Behaviorale Therapie
- Depressive Episode
Eine depressive Episode ist ein Zeitraum von mindestens zwei Wochen mit gedrückter Stimmung, Antriebs- und Interessenverlust. Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sie sich oft anders als bei Erwachsenen, etwa durch Reizbarkeit, Rückzug oder körperliche Beschwerden.
- Diagnose-Entlastung (Wenn eine Diagnose Erleichterung bringt)
Viele Eltern spüren Erleichterung, wenn die Beschwerden ihres Kindes endlich einen Namen bekommen. Diese Diagnose-Entlastung ist eine häufige und gesunde Reaktion, die auch ambivalent sein darf.
- Diagnose-Schock
Ein Diagnose-Schock ist die heftige erste Reaktion von Eltern, wenn ihr Kind eine schwere oder unerwartete Diagnose bekommt. Diese Reaktion ist normal. Sie braucht Zeit, bis sie sich legt.
- Diagnose-Trauerarbeit (Der lange Weg zur Akzeptanz)
Nach der Diagnose eines Kindes trauern viele Eltern um Erwartungen und Vorstellungen, die sie loslassen müssen. Diese Trauer gehört zur Verarbeitung und darf da sein.
- Diagnose-Uneinigkeit (Wenn Elternteile unterschiedlich auf die Diagnose reagieren)
Diagnose-Uneinigkeit beschreibt den Zustand, in dem zwei Elternteile dieselbe Diagnose ihres Kindes verschieden schnell und verschieden tief akzeptieren. Das belastet die Partnerschaft und erschwert eine gemeinsame Linie fürs Kind.
- Diagnose-Unklarheit
Diagnose-Unklarheit beschreibt die Situation, wenn Eltern oder Fachleute noch nicht genau wissen, welche Diagnose zu einem Kind oder Jugendlichen passt, oder ob überhaupt eine gestellt werden sollte. Das kommt häufiger vor als viele denken und gehört oft ganz normal zum Abklärungsprozess.
- Diagnose-Zweitmeinung (Wann und wie hole ich eine zweite Meinung ein?)
Eine Diagnose-Zweitmeinung ist die Einschätzung einer zweiten, unabhängigen Fachperson zu einer bereits gestellten Diagnose. In Deutschland dürfen Eltern jederzeit eine andere Ärztin oder einen anderen Arzt um Rat fragen.
- Diagnosemitteilung ans Kind
Wenn ein Kind eine Diagnose bekommt, stellt sich schnell die Frage: Sagen wir es ihm? Und falls ja, wie? Die Diagnosemitteilung ans Kind bedeutet, dem Kind altersgerecht zu erklären, was Fachleute über seine Entwicklung oder sein Wohlbefinden herausgefunden haben.
- Diagnosevermittlung an Schule und Kita
Ob und wie Eltern eine Kita oder Schule über die Diagnose ihres Kindes informieren: Rechte, Datenschutz, Vorteile wie Nachteilsausgleich und der praktische Weg ins Gespräch.
- Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
Therapieform, die Elemente der KVT mit Achtsamkeit und dialektischen Strategien kombiniert; ursprünglich für Borderline-Störungen entwickelt, auch bei Essstörungen und Emotionsregulationsproblemen eingesetzt
- Diszipliniert
"Sehr diszipliniert" klingt nach einer Stärke. Bei einer Essstörung kann dahinter ein starres Kontrollverhalten rund um Essen, Gewicht und Körper stehen, das keine Ausnahme mehr zulässt.
- Doppelbelastung
Doppelbelastung heißt: Beruf und Familie fordern gleichzeitig volle Kraft. Die beiden Bereiche verstärken sich gegenseitig, und viele Eltern geraten damit an ihre Grenzen.
- Dreht auf
„Dreht auf" beschreibt, wenn ein Kind plötzlich überdreht, laut und kaum bremsbar wird, oft abends oder nach zu vielen Reizen. Dahinter steckt ein überlastetes Nervensystem, das nicht mehr herunterfährt.
- DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition)
Klassifikationssystem für psychische Störungen, herausgegeben von der American Psychiatric Association
E
- Eating Disorder (Essstörung)
Oberbegriff für psychische Störungen, die durch ein gestörtes Essverhalten und eine übermäßige Beschäftigung mit Essen, Gewicht und Figur gekennzeichnet sind
- Einsamkeit
Einsamkeit ist das belastende Gefühl fehlender Nähe und fehlenden Verständnisses. Eltern eines belasteten Kindes trifft es oft, wenn Sorge und Termine den Alltag füllen und die eigenen Kontakte einschlafen.
- Elterliche Daueralarmbereitschaft (Hypervigilanz im Alltag)
Hypervigilanz ist eine dauerhafte Alarmbereitschaft des Nervensystems. Bei Eltern belasteter Kinder bleibt der Körper in Anspannung, selbst wenn gerade nichts passiert.
- Elterliche Hochstimmung nach Entspannung
Elterliche Hochstimmung nach Entspannung ist ein kurzes Aufflackern von Energie und Lebensfreude, das manche erschöpfte Eltern nach einer Auszeit erleben. Bei einem Burnout verblasst dieses Hoch schnell wieder, weil die Erschöpfung tiefer sitzt, als ein freies Wochenende ausgleichen kann.
- Elterliche Identitätskrise (Wer bin ich noch außerhalb der Pflege?)
Wenn das Leben ganz um die Sorge für ein krankes oder belastetes Kind kreist, verschwinden eigene Rollen, Interessen und das Gefühl fürs eigene Ich. Diese schleichende Selbstauflösung ist eine verständliche Reaktion auf Dauerbelastung.
- Elterliche Schonfrist-Falle
Die elterliche Schonfrist-Falle beschreibt das Muster, sich immer wieder kurze Verschnaufpausen zu gönnen, etwa ein freies Wochenende oder einen ruhigen Abend, in der Hoffnung, danach wieder zu funktionieren. Bei echtem Eltern-Burnout reichen solche kleinen Erholungsinseln aber nicht mehr aus, um die tiefe Erschöpfung zu beheben. Die Pause fühlt sich gut an. Das eigentliche Problem bleibt trotzdem, wie es war.
- Elterliche Trauer um das gesunde Kind
Viele Eltern chronisch kranker oder beeinträchtigter Kinder trauern um das gesunde Kind und die Zukunft, die sie sich vorgestellt hatten. Diese stille Trauer ist verbreitet und darf sein.
- Elterliches Monitoring (Zwischen Fürsorge und Kontrolle)
Elterliches Monitoring meint das aufmerksame Beobachten des Kindes: Essen, Stimmung, Symptome. Bei kranken oder gefährdeten Kindern ist das sinnvoll, kann aber in belastende Dauerkontrolle kippen.
- Elterntraining (Parent Training)
Ein Elterntraining ist ein strukturiertes Programm, das Eltern konkrete Strategien für den Umgang mit schwierigem Verhalten ihres Kindes vermittelt, besonders bei ADHS und Verhaltensauffälligkeiten.
- Emotionale Störungen im Kindesalter
Emotionale Störungen des Kindesalters (ICD-10 F93) sind eine Gruppe kindlicher Ängste wie Trennungsangst, die stärker ausfallen als entwicklungsübliche Ängste und den Alltag des Kindes einschränken.
- Emotionsregulation
Emotionsregulation ist die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und ihre Stärke und Dauer zu steuern. Kinder lernen sie über Jahre, am Anfang mit Hilfe der Eltern.
- Entlastung
Entlastung bedeutet, dass Sie als Elternteil Aufgaben abgeben und feste Zeitfenster gewinnen, in denen andere zuständig sind. Dafür gibt es praktische Angebote und gesetzliche Leistungen.
- Erschöpfte Partnerschaft
Erschöpfte Partnerschaft beschreibt den Zustand, in dem beide Elternteile so ausgelaugt sind, dass die Beziehung selbst unter der Dauerlast des Familienalltags leidet. Die Liebe ist meist noch da. Es fehlt schlicht die Kraft für sie.
- Erschöpfung (Fatigue)
Elterliche Erschöpfung meint einen anhaltenden Zustand körperlicher, seelischer und geistiger Leere durch die Dauerbelastung der Elternrolle. Sie geht über normale Müdigkeit hinaus und bessert sich nicht durch eine einzelne Nacht Schlaf.
- Erster Verdachtsmoment (Elternperspektive)
Der erste Verdachtsmoment ist der Augenblick, in dem Eltern zum ersten Mal spüren, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt. Dieser Beitrag zeigt typische Auslöser, das Schwanken zwischen Sorge und Verharmlosen und erste Schritte.
- Ess-Brech-Sucht (Bulimia Nervosa)
Siehe Bulimia Nervosa
- Essenssituation am Tisch
Die Essenssituation am Tisch umfasst alles, was rund um gemeinsame Mahlzeiten passiert: die Atmosphäre, die Rituale, die Konflikte und die unausgesprochenen Regeln, die das Essen im Familienalltag prägen. Hat ein Kind ein schwieriges Verhältnis zum Essen, wird der Tisch schnell zum täglichen Stressfeld.
- Essensverweigerung (ohne Diagnose)
Essensverweigerung beschreibt das beharrliche Ablehnen von Mahlzeiten oder bestimmten Lebensmitteln durch ein Kind. Eine ärztliche oder psychologische Diagnose muss dafür nicht vorliegen. Die Ursachen sind unterschiedlich, und für viele Familien wird das tägliche Essen dadurch zur Belastung.
- Essstörung (Eating Disorder)
Eine Essstörung ist eine psychische Erkrankung, bei der das Essen und der eigene Körper das Denken beherrschen. Zu den häufigsten Formen zählen Magersucht, Bulimie und die Binge-Eating-Störung.
- Essstörung im Verborgenen (Heimlichkeit)
Heimliches Essen bedeutet, dass ein Kind sein Essverhalten vor anderen verbirgt. Es versteckt Vorräte im Zimmer, isst allein hinter verschlossener Tür oder behauptet, schon gegessen zu haben. Dahinter steckt oft ein schwieriges Verhältnis zu Essen, Scham oder Kontrolle.
- Essstörung und Pubertät (Zusammenhang aus Elternsicht)
Essstörungen beginnen oft in der Pubertät, wenn Körper, Autonomie und Identität in Bewegung geraten. Dieser Beitrag hilft Eltern, normale Essphasen von echten Warnzeichen zu unterscheiden.
- Essstörung und soziale Medien (Elternperspektive)
Wie hängen Instagram, TikTok und Co. mit Körperbild und Essstörungen bei Jugendlichen zusammen? Der Forschungsstand für Eltern, ruhig eingeordnet, mit konkreten Schritten für den Alltag.
- Expositionstherapie
Die Expositionstherapie (Konfrontationstherapie) ist ein Baustein der Verhaltenstherapie: Das Kind nähert sich Schritt für Schritt den Situationen, die Angst machen, statt ihnen weiter auszuweichen. Sie gilt als wirksame Methode bei Ängsten und Zwängen.
F
- F43 (ICD-10)
Diagnosecode für Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
- F50 (ICD-10)
Diagnosecode-Gruppe für Essstörungen
- F90 (ICD-10)
Diagnosecode-Gruppe für Hyperkinetische Störungen / ADHS
- Familienbasierte Therapie (FBT) / Maudsley Approach
Die familienbasierte Therapie (FBT), auch Maudsley-Ansatz genannt, ist eine ambulante Familientherapie bei Essstörungen im Jugendalter. Die Eltern übernehmen dabei eine aktive Rolle bei der Wiederernährung ihres Kindes.
- Familienkrise
Eine Familienkrise ist eine Phase, in der das gewohnte Gleichgewicht einer Familie so stark ins Wanken gerät, dass die eigenen Kräfte kaum noch ausreichen. Das kann jede Familie treffen und hat mit Versagen nichts zu tun.
- Fatigue (Erschöpfung)
Fatigue ist eine anhaltende, krankhafte Erschöpfung, die sich durch Schlaf und Pausen kaum bessert. Sie geht über normale Müdigkeit hinaus und tritt oft im Zusammenhang mit Erkrankungen auf.
- FBT (Familienbasierte Therapie)
Siehe Familienbasierte Therapie
- Feeding Disorder of Infancy and Childhood
Diagnose für Fütter- und Essstörungen im Säuglings- und Kindesalter (z.B. Rumination)
- Fix und fertig
„Fix und fertig" ist ein Alltagsausdruck für starke Erschöpfung am Ende eines Tages oder einer Phase, die Körper und Psyche zugleich betrifft.
- Flippt aus / Rastet aus
Wenn ein Kind „ausflippt" oder „ausrastet", verliert es plötzlich die Kontrolle über heftige Gefühle. Dahinter steckt oft ein überlastetes Nervensystem, häufig im Zusammenhang mit ADHS.
- Fokale Psychodynamische Therapie (FPT)
Die Fokale Psychodynamische Therapie (FPT) ist eine zeitlich begrenzte Gesprächstherapie für Erwachsene mit Magersucht. Sie arbeitet an den seelischen Themen hinter dem Hungern und wurde in der deutschen ANTOP-Studie untersucht.
- FPT (Fokale Psychodynamische Therapie)
FPT ist die Abkürzung für Fokale Psychodynamische Therapie, ein Psychotherapieverfahren, das vor allem bei erwachsenen Frauen mit Magersucht eingesetzt wird.
- Funktionieren auf Autopilot
Funktionieren auf Autopilot bedeutet: Der Körper macht weiter, aber innerlich ist kaum noch jemand da. Frühstück, Schulweg, Arbeit, Abendessen, alles wird erledigt, und trotzdem fühlt sich der Tag leer an. Bei Eltern ist das ein häufiges Zeichen tiefer Erschöpfung, das oft lange übersehen wird.
G
- Generalisierte Angststörung
Bei der Generalisierten Angststörung (F41.1) sorgen sich Kinder anhaltend und übertrieben über viele Lebensbereiche. Oft zeigt sich das zuerst körperlich, etwa durch Bauchweh, Unruhe und Schlafprobleme.
- Geschwisterkind
Ein Geschwisterkind ist ein Kind, das mit mindestens einem Bruder oder einer Schwester aufwächst. Das kann leiblich sein, adoptiert oder als Stief- oder Pflegekind. Diese Familienrolle bringt für alle Beteiligten Chancen mit sich, aber auch Herausforderungen.
- Geschwisterkind-Burnout
Geschwisterkind-Burnout beschreibt eine anhaltende emotionale Erschöpfung bei Kindern, die dauerhaft zu viel Rücksicht nehmen müssen. Das passiert zum Beispiel, wenn ein Geschwisterkind besondere Bedürfnisse hat oder die elterliche Aufmerksamkeit über lange Zeit ungleich verteilt ist.
- Geschwisterkind-Erklärung (Wie erkläre ich die Erkrankung dem gesunden Geschwisterkind?)
Wie Eltern einem gesunden Geschwisterkind altersgerecht und ehrlich erklären, was mit dem kranken Bruder oder der kranken Schwester los ist, mit konkreten Formulierungen nach Alter.
- Geschwisterkind-Parentifizierung
Von Geschwisterkind-Parentifizierung spricht man, wenn ein gesundes Kind zu früh elternähnliche Verantwortung für sein krankes Geschwister oder die ganze Familie übernimmt. Es funktioniert dann wie ein kleiner Erwachsener und stellt eigene Bedürfnisse hinten an.
- Geschwisterkind-Schutzreflex
Der Geschwisterkind-Schutzreflex beschreibt, wie ein gesundes Kind fast automatisch die Beschützerrolle für sein krankes Geschwister übernimmt: Es nimmt Rücksicht, verzichtet auf eigene Wünsche und passt auf.
- Geschwisterkind-Vernachlässigungsgefühl
Das gesunde Geschwister eines kranken Kindes fühlt sich übersehen, weil ein Großteil der elterlichen Zeit beim erkrankten Kind liegt. Manche Familien nennen es das Schattenkind.
- Geschwisterrivalität unter Belastung
Geschwisterrivalität unter Belastung beschreibt anhaltende, heftige Konflikte und Eifersucht zwischen Geschwistern, die weit über normalen Alltagsstreit hinausgehen und das Familienleben spürbar belasten. Viele Eltern haben dann das Gefühl, keinem Kind mehr gerecht zu werden, und erschöpfen sich im ständigen Vermitteln.
- Gespür für Ungerechtigkeiten
Manche Kinder, oft mit ADHS oder hoher Sensibilität, reagieren sehr stark auf Ungerechtigkeit. Dahinter stehen Gefühlsstärke, geringe Impulskontrolle und ein feiner Sinn für Fairness.
- Gewichtsmonitoring (Elternrolle)
Gewichtsmonitoring ist das regelmäßige Erfassen des Gewichts als Teil der Essstörungs-Behandlung. Die Deutung gehört zum Behandlungsteam, während Eltern Mahlzeiten und Beziehung stützen.
- Gewichtswiederzunahme begleiten (Elternrolle in der Refeedingphase)
Refeeding ist die kontrollierte Wiederernährung nach dem Hungern bei Magersucht. Eltern geben Struktur bei den Mahlzeiten, die Steigerung der Nahrung gehört wegen des Refeeding-Syndroms in ärztliche Hand.
- Grenzen testen
Grenzen testen heißt, dass ein Kind prüft, ob eine Regel wirklich gilt und ob die Eltern bei ihrer Ansage bleiben. Das gehört zur normalen Entwicklung und hilft dem Kind, Sicherheit und Orientierung zu finden.
H
- Hält sich nicht an Regeln
Ein Elternsatz für Kinder, die Abmachungen und Grenzen immer wieder überschreiten. Oft steckt kein Trotz dahinter, sondern eine Schwäche in Impulskontrolle und Selbststeuerung, wie sie bei ADHS häufig vorkommt.
- Hausarzt als erste Anlaufstelle (Was kann der Kinderarzt, was nicht?)
Der Kinder- oder Hausarzt ist für die meisten Familien die erste Adresse bei psychischen Auffälligkeiten. Er kann körperliche Ursachen ausschließen, eine erste Einschätzung geben und gezielt weiterüberweisen, stellt aber selbst keine psychiatrische oder psychotherapeutische Diagnose.
- Hausaufgaben-Konflikt bei ADHS
Der Hausaufgaben-Konflikt bei ADHS beschreibt die täglichen Auseinandersetzungen am Schreibtisch, die entstehen, weil das Gehirn Ihres Kindes Planen, Starten und Dranbleiben schwerer steuert. Das ist keine Frage von Faulheit oder mangelnder Erziehung.
- Helfer-Erschöpfung (Caregiver Fatigue)
Helfer-Erschöpfung (auch Caregiver Fatigue) beschreibt eine tiefe körperliche und seelische Erschöpfung. Sie entsteht, wenn Eltern oder andere pflegende Personen über lange Zeit viel für andere geben und dabei zu wenig für sich selbst sorgen.
- Hyperaktiv
Hyperaktivität beschreibt einen starken Bewegungsdrang, der sich in fast unkontrollierter motorischer Unruhe zeigt. Nicht jedes lebhafte Kind ist hyperaktiv im klinischen Sinn.
- Hyperkinetische Störungen (Hyperkinetic Disorders)
„Hyperkinetische Störungen" ist der offizielle Name, den das Diagnosesystem ICD-10 für das gibt, was im Alltag ADHS heißt. Gemeint ist dieselbe Sache: eine Störung von Aufmerksamkeit, Aktivität und Impulskontrolle.
- Hypervigilanz (Elternteil)
Hypervigilanz bedeutet, dass das Nervensystem dauerhaft auf Alarm geschaltet ist. Man bleibt ständig angespannt, sucht die Umgebung nach Gefahren ab und kann kaum abschalten. Bei erschöpften Eltern ist das ein häufiges, aber oft übersehenes Warnsignal für ein tiefes Burnout.
I
- ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, 10th Revision)
Internationales Klassifikationssystem für Krankheiten und Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
- Impulskontrolle
Impulskontrolle ist die Fähigkeit, einen spontanen Impuls kurz zu stoppen, bevor man handelt. Sie gehört zu den exekutiven Funktionen, reift bis ins junge Erwachsenenalter und ist bei ADHS oft beeinträchtigt.
- Interpersonelle Psychotherapie (IPT)
Die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) ist ein zeitlich begrenztes Verfahren, das bei Depression an zwischenmenschlichen Belastungen ansetzt: Rollenwechsel, Konflikte, Verlust und Einsamkeit. Für Jugendliche gibt es eine angepasste Form (IPT-A).
- IPT (Interpersonelle Psychotherapie)
Siehe Interpersonelle Psychotherapie
K
- Keine Nerven mehr haben
„Keine Nerven mehr haben" beschreibt schnelle Reizbarkeit bei Dauerbelastung: Der Körper steht unter Dauerstress, die Selbstregulation ist erschöpft, und schon Kleinigkeiten bringen Eltern auf die Palme. Mit Pausen, Ko-Regulation und Entlastung baut sich der Puffer wieder auf.
- Keinem gerecht werden
„Keinem gerecht werden" ist das zermürbende Gefühl vieler Eltern, zwischen einem belasteten Kind, Geschwistern, Partnerschaft, Beruf und sich selbst an jeder Stelle zu wenig zu geben.
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT / CBT)
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hilft Kindern und Jugendlichen, belastende Gedanken und Verhaltensmuster zu verändern. Bei Angst, Depression und Zwängen zählt sie zu den am besten untersuchten Behandlungen.
- Kontrolle (über Essen/Körper)
Bei Essstörungen wird das Steuern von Essen, Gewicht und Körper zu einem Weg, sich sicher zu fühlen. Für Eltern hilft es zu verstehen, warum das Loslassen dem Kind so schwerfällt.
- Kontrolliertes Essen beobachten (Elternrolle bei Mahlzeiten)
Manche Kinder kontrollieren beim Essen sehr genau, was auf den Teller kommt, wie viel sie essen oder ob sie überhaupt essen. Eltern, die das am Tisch aufmerksam wahrnehmen, können frühe Hinweise auf eine Essstörung erkennen, ohne sofort einzugreifen oder Druck zu machen.
- Kontrollverlust-Angst (Elternteil)
Kontrollverlust-Angst ist die Furcht, in stressigen Momenten die Beherrschung zu verlieren: zu schreien, auszurasten oder das eigene Kind zu verletzen. Bei erschöpften Eltern taucht dieses Gefühl oft auf. Es sollte ernst genommen werden, denn dahinter steckt meist eine massive Überlastung.
- Koregulationskollaps
Koregulationskollaps ist ein beschreibendes Modell, keine Diagnose. Gemeint ist der Moment, in dem erschöpfte Eltern das Nervensystem ihres Kindes nicht mehr mitberuhigen können und sich Aufregung auf beiden Seiten hochschaukelt.
- Körperbild-Gespräch
Ein Körperbild-Gespräch ist ein einfühlsames Gespräch zwischen Eltern und Kind darüber, wie das Kind oder der Jugendliche den eigenen Körper wahrnimmt und was er dabei fühlt. Die Eltern hören dabei zu, ohne zu korrigieren oder zu vergleichen.
- Körpergewichts-Angst der Eltern (Gewichtsphobie durch Empathie)
Wenn das Kind an einer Essstörung erkrankt, entwickeln manche Eltern selbst eine ständige Angst rund um Essen und Gewicht. Der Beitrag zeigt, wie diese Angst entsteht und wie Eltern sie regulieren, um dem Kind Halt zu geben.
- Krankenhauseinweisung begleiten (Elternrolle bei stationärer Aufnahme)
Wenn ein Kind stationär in eine Klinik oder Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgenommen wird, verändert sich die Elternrolle. Der Beitrag zeigt, was auf Eltern zukommt, wie die Zusammenarbeit mit dem Team gelingt und wie sich Schuldgefühle einordnen lassen.
- Krankheit nicht einsehen (Krankheitsuneinsichtigkeit)
Wenn ein Kind mit Essstörung, Psychose oder schwerer psychischer Erkrankung sich selbst nicht als krank erlebt, ist das meist Teil der Erkrankung (Anosognosie) und kein Trotz. Eltern erfahren hier, wie sie trotzdem Zugang und Behandlung erreichen.
- Krisenhotline (Wo rufe ich wann an?)
Krisenhotlines sind kostenlose Telefonnummern, die in seelischen Notlagen oder Notfällen sofort erreichbar sind. Dieser Überblick zeigt Eltern, welche Nummer wann passt.
- Krisenplan (Familienebene)
Ein Krisenplan auf Familienebene ist eine gemeinsam erarbeitete, schriftliche Vereinbarung. Sie legt fest, was jedes Familienmitglied tut, wenn es einem Kind oder Jugendlichen plötzlich deutlich schlechter geht. In so einem Moment muss dann niemand allein überlegen, wer was übernimmt.
- KVT (Kognitive Verhaltenstherapie)
KVT ist die Abkürzung für Kognitive Verhaltenstherapie, ein anerkanntes Psychotherapieverfahren. Auf Diagnosebriefen und Kassenformularen steht oft nur das Kürzel.
L
- Lack of energy (Energiemangel)
Gefühl mangelnder Energie und Antriebslosigkeit. (Teil von ICD-10: R53.83)
- Leistungsfähiger mit weniger Gewicht
Der Glaube, mit weniger Gewicht mehr zu leisten, ist im Sport verbreitet und bei Essstörungen gefährlich. Kurzfristig kann ein Hoch entstehen, mittelfristig schadet der Energiemangel Muskeln, Knochen, Herz, Zyklus und Konzentration.
- Lernstrategien bei ADHS
Lernstrategien bei ADHS sind konkrete Alltagshelfer, die Kindern und Jugendlichen mit ADHS das Lernen erleichtern. Statt mehr Disziplin zu fordern, passen sie das Lernen daran an, wie das Gehirn tatsächlich arbeitet.
- Lethargy (Lethargie)
Zustand von Trägheit, Teilnahmslosigkeit und verminderter psychischer und physischer Aktivität. (Teil von ICD-10: R53.83)
- Licht am Ende des Tunnels
Redewendung für die Hoffnung am Ende einer langen Krankheitsphase. Bei Essstörungen ist Genesung häufig, verläuft aber selten geradlinig und braucht meist Jahre.
- Life management difficulty (Probleme mit der Lebensbewältigung)
Oberbegriff für Schwierigkeiten bei der Organisation und Bewältigung des täglichen Lebens
M
- Magersucht (Anorexia Nervosa)
Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine ernste Essstörung mit starker Angst vor Gewichtszunahme und gefährlichem Untergewicht. So erkennen und begleiten Eltern ihr Kind.
- Mahlzeiten-Angst der Eltern (Wenn der Tisch zum Angstraum wird)
Für Eltern eines Kindes mit Essstörung werden gemeinsame Mahlzeiten oft zur täglichen Belastung. Der Beitrag erklärt, warum der Tisch zum Angstraum wird und wie sich Mahlzeiten ruhiger und ohne Machtkampf gestalten lassen.
- Mahlzeiten-Eskalation vermeiden (Deeskalation am Tisch)
Deeskalation am Tisch heißt: Konflikte ums Essen bei einer Essstörung ruhig und mit klarer Struktur führen, statt in Machtkämpfe zu geraten. Der Beitrag zeigt Eltern konkrete Strategien für angespannte Mahlzeiten.
- Maudsley Approach (Familienbasierte Therapie)
Siehe Familienbasierte Therapie
- Medikamenten-Ambivalenz (bei ADHS-Behandlung)
Medikamenten-Ambivalenz bei ADHS bedeutet: Eltern oder Betroffene selbst sind hin- und hergerissen. Sie sehen einerseits, dass ein Medikament helfen könnte, haben aber zugleich Bedenken, Ängste oder ein ungutes Bauchgefühl. Beides zusammen ist normal und verständlich.
- Medikamentenentscheidung (Wie Eltern zur Medikation stehen)
Viele Eltern stehen bei ADHS vor der Frage, ob ihr Kind ein Medikament wie Methylphenidat bekommen soll. Dieser Beitrag ordnet Nutzen, Nebenwirkungen und verbreitete Ängste sachlich ein und zeigt, wie eine gemeinsame Entscheidung aussehen kann.
- Medikamentenpause (Ferien vom Ritalin)
Eine Medikamentenpause (englisch „drug holiday") ist eine bewusst geplante, ärztlich begleitete Auszeit von ADHS-Stimulanzien wie Methylphenidat, etwa an Wochenenden oder in den Ferien. Sie darf nie eigenmächtig, sondern nur in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt erfolgen.
- Mindfulness (Achtsamkeit)
Siehe Achtsamkeit
- Multimodale Therapie
Multimodale Therapie bei ADHS heißt: Mehrere aufeinander abgestimmte Bausteine wirken zusammen. Dazu gehören Aufklärung, Elterntraining, Verhaltenstherapie, schulische Unterstützung und bei Bedarf Medikamente.
N
- Nachhaltige Therapie
Laienbegriff für Therapieerfolge, die über das Therapieende hinaus stabil bleiben. Fachlich geht es um Rückfallprophylaxe, den Transfer des Gelernten in den Alltag und um Nachsorge.
- Nachsorge (nach Therapieabschluss)
Nachsorge bezeichnet die Phase nach dem offiziellen Abschluss einer Therapie. In dieser Zeit soll das Gelernte im Alltag ankommen und stabil bleiben, damit ein Rückfall möglichst ausbleibt.
- Nachtaktivität / Nachtunruhe (ADHS)
Viele Kinder mit ADHS kommen abends schwer zur Ruhe, brauchen lange zum Einschlafen oder wachen nachts oft auf. Dahinter steckt meist eine gestörte Schlaf-Wach-Regulation, keine Absicht.
- Nachtdienst-Elternteil (Wenn eine Person alles trägt)
Der Ausdruck beschreibt Eltern, die nachts allein für Aufwachen, Trösten und Versorgen zuständig sind und dadurch über Monate zu wenig zusammenhängenden Schlaf bekommen. Dieser dauerhafte Schlafmangel ist eine echte gesundheitliche Belastung, keine Frage von Willensstärke.
- Nachteiligkeitsausgleich (Schule)
Ein Nachteilsausgleich ist eine offizielle schulische Anpassung für Kinder, denen das Lernen aus besonderen Gründen schwerer fällt, etwa durch eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder eine Angststörung. Auch eine chronische Erkrankung kann ein Grund sein. Die Lerninhalte bleiben gleich. Angepasst werden die Bedingungen: mehr Zeit bei Prüfungen, ein anderes Prüfungsformat oder ein ruhigerer Raum.
- Nachtschlaf-Entzug
Nachtschlaf-Entzug beschreibt anhaltenden, unfreiwilligen Schlafmangel. Bei Eltern entsteht er meist durch nächtliche Kinderbetreuung. Er gilt als einer der stärksten körperlichen Verstärker von Eltern-Burnout.
- Nähebedürftig
Nähebedürftig oder klammernd heißt: ein Kind sucht auffällig oft die körperliche und emotionale Nähe der Eltern und reagiert empfindlich auf Trennung. Meist steckt ein normales Bindungsbedürfnis dahinter, manchmal auch erhöhte Anspannung oder Angst.
- Nahrungsverweigerung im Kleinkindalt (ohne Diagnose)
Nahrungsverweigerung im Kleinkindalter bedeutet: Ein Kind unter 6 Jahren isst sehr wenig oder lehnt bestimmte, manchmal fast alle Speisen ab. Das passiert regelmäßig und geht über einzelne schlechte Tage hinaus. Für Eltern ist das oft sehr belastend und wirft viele Fragen auf.
- Nicht zur Ruhe kommen
Elternbegriff für ein Kind, das abends oder nach aufregenden Tagen schwer abschaltet: Der Körper ist müde, der Kopf läuft weiter. Oft bei innerer Unruhe, Reizoffenheit oder ADHS.
- Notfallkoffer (Krisenintervention zu Hause)
Ein Notfallkoffer bündelt Kontakte, Skills und Absprachen für akute seelische Krisen eines Kindes, etwa bei Selbstverletzung oder Suizidgedanken. Vorbereitet in ruhigen Zeiten, griffbereit im Ernstfall.
O
- Odyssee bis zur Diagnose
Als Odyssee bis zur Diagnose bezeichnen viele Familien den langen Weg über mehrere Anlaufstellen, Wartezeiten und Fehldeutungen, bis feststeht, was ihr Kind hat. Der Beitrag zeigt, warum das bei seelischen Themen häufig passiert und wie Eltern den Prozess ordnen.
- Other fatigue (Andere Müdigkeit)
ICD-10-Code für unspezifische Müdigkeit und Erschöpfung
- Overeating associated with other psychological disturbances
ICD-10-Code für übermäßiges Essen im Zusammenhang mit anderen psychischen Störungen (nicht Binge-Eating-Störung)
P
- Paartherapie
Paartherapie ist ein begleiteter Gesprächsprozess, in dem zwei Partner mit einer neutralen Fachperson an ihrer Beziehung arbeiten. Für Eltern eines erkrankten Kindes geht es oft um Kommunikation, unterschiedlichen Umgang mit der Diagnose und die Frage, wie sie als Paar tragfähig bleiben.
- Pädagogische Erschöpfung (Wenn Eltern auch Lernbegleiter sein müssen)
Pädagogische Erschöpfung meint die tiefe Kraftlosigkeit von Eltern, die neben der Elternrolle dauerhaft Lernbegleiter, Förderkraft und Therapie-Co-Trainer sein müssen. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie die Überlastung erkennen und wie Sie sich abgrenzen und Verantwortung teilen.
- Panikstörung
Eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) bedeutet wiederkehrende, plötzliche Panikattacken mit starken körperlichen Symptomen. Bei Kindern und Jugendlichen kommt oft die Angst vor der nächsten Attacke hinzu.
- Parent Training (Elterntraining)
Siehe Elterntraining
- Parentifizierung
Parentifizierung beschreibt eine Familiendynamik, bei der ein Kind dauerhaft Verantwortung übernimmt, die eigentlich Erwachsene tragen sollten. Es wird zum Beispiel zur emotionalen Stütze für einen Elternteil oder versorgt die jüngeren Geschwister.
- Pica
Pica ist eine Essstörung, bei der ein Kind wiederholt nicht-essbare Dinge wie Erde, Kreide oder Papier isst. Dieser Beitrag erklärt Eltern Anzeichen, Ursachen und wann Hilfe nötig ist.
- Polyvagal-Theorie
Die Polyvagal-Theorie ist ein Erklärungsmodell des Psychophysiologen Stephen Porges über das autonome Nervensystem und die Zustände Sicherheit, Kampf-Flucht und Erstarren. In der Körper- und Traumatherapie ist sie beliebt, ihr neurophysiologisches Fundament gilt wissenschaftlich als umstritten.
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, ICD F43.1) ist eine anhaltende psychische Reaktion nach einem oder mehreren stark bedrohlichen Ereignissen. Kinder erleben das Trauma ungewollt wieder, meiden Erinnerungen und sind ständig angespannt.
- Probleme mit der Lebensbewältigung (Life management difficulty)
Wenn der Alltag als Ganzes zu viel wird, sprechen Fachleute von Problemen mit der Lebensbewältigung. Für Eltern ist das ein Warnsignal für Überlastung, das man ernst nehmen und begleiten kann.
- Psychische Gesundheit
Psychische Gesundheit beschreibt seelisches Wohlbefinden: Ein Kind kommt mit Belastungen zurecht, gestaltet Beziehungen und entwickelt sich altersgemäß. Dieser Beitrag erklärt Schutzfaktoren, was Familien im Alltag stärkt und wann fachliche Hilfe nötig wird.
- Psychische Probleme
Sammelbegriff für seelische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen, von vorübergehenden Belastungen bis zu behandlungsbedürftigen Störungen wie Angst, Depression, ADHS oder Essstörungen.
- Psychodynamische Therapie
Die psychodynamische Therapie (auch tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) ist eines der von den Krankenkassen anerkannten Richtlinienverfahren in Deutschland. Sie geht davon aus, dass hinter seelischen Beschwerden unbewusste Konflikte und prägende Beziehungserfahrungen stehen.
- Psychoedukation
Psychoedukation heißt, verständliches Wissen über eine psychische Erkrankung und ihre Behandlung zu vermitteln. Sie ist ein eigenständiger und zugleich begleitender Baustein fast jeder Therapie.
- Psychoedukation für Eltern
Psychoedukation für Eltern ist die verständliche Vermittlung von Wissen über die Erkrankung des Kindes. Sie ist ein fester Baustein der Behandlung und hilft Eltern, den Alltag sicherer zu begleiten.
- Psychoedukation für Kinder
Psychoedukation für Kinder heißt: Ein Kind bekommt in einfachen Worten erklärt, was in ihm vorgeht. Altersgerecht und ohne Schuldzuweisung. Oft ist das allein schon eine spürbare Erleichterung.
- Psychogene Appetitlosigkeit
Bei psychogener Appetitlosigkeit verliert ein Kind den Appetit, weil es seelisch belastet ist, etwa durch Stress, Kummer oder Angst. Anders als bei Magersucht steckt keine Angst vor Gewichtszunahme und kein gestörtes Körperbild dahinter.
R
- R53.83 (ICD-10-CM)
Diagnosecode für "Other fatigue" (Andere Müdigkeit/Erschöpfung)
- R63.0 (ICD-10-CM)
Diagnosecode für "Anorexia" (Appetitlosigkeit als Symptom)
- Rastet aus / Flippt aus
Siehe Flippt aus / Rastet aus
- Reaction to severe stress (Reaktion auf schwere Belastung)
ICD-10-Kategorie für Störungen, die als direkte Folge akuter schwerer Belastungen oder anhaltender traumatischer Ereignisse auftreten
- Reaktives Elternverhalten (Wenn Eltern nur noch auf Krisen reagieren)
Reaktives Elternverhalten heißt: Bei Dauerüberlastung reagieren Eltern nur noch auf akute Krisen, statt vorausschauend zu handeln. Dahinter steckt eine körperliche Stressreaktion, aus der es Wege zurück ins bewusste Handeln gibt.
- Reizoffenheit (Hypersensitivität)
Reizoffenheit (Hypersensitivität) bedeutet, dass manche Kinder mit ADHS Sinneseindrücke deutlich intensiver wahrnehmen als andere, etwa laute Geräusche oder das Etikett im T-Shirt. Das Kind strengt das enorm an. Oft spürt die ganze Familie die Folgen im Alltag.
- Reizüberflutung
Reizüberflutung bedeutet: Das Gehirn muss zu viele Eindrücke auf einmal verarbeiten und kommt irgendwann nicht mehr hinterher. Bei Kindern mit ADHS passiert das schneller und heftiger, denn ihr Gehirn filtert Reize weniger gut.
- Ressourcenaktivierung
Ressourcenaktivierung heißt, gezielt die vorhandenen Stärken, Fähigkeiten und die Unterstützung eines Menschen zu nutzen, statt nur an den Problemen zu arbeiten. Sie gilt als einer der zentralen Wirkfaktoren erfolgreicher Psychotherapie.
- Restricting Type (Anorexia Nervosa)
Siehe Anorexia Nervosa, Restricting Type
- Rückfall (Elternperspektive)
Ein Rückfall bei einer Essstörung bedeutet, dass Symptome nach einer Phase der Besserung wieder auftauchen. Ihr Kind isst zum Beispiel wieder weniger, oder alte Essanfälle kehren zurück. Für Eltern ist das ein erschöpfender, oft auch erschreckender Moment. Die bisherigen Fortschritte gehen dadurch aber nicht verloren.
- Rückzug der Eltern aus dem Freundeskreis
Viele erschöpfte Eltern ziehen sich nach und nach aus ihrem Freundeskreis zurück, meist ohne bewusste Entscheidung. Dieser Rückzug ist ein stilles Warnsignal für tiefe Überlastung. Ohne den Halt anderer Menschen fehlen Unterstützung und Erholung, und die Erschöpfung wächst weiter.
- Rückzug des Kindes
Rückzug bedeutet: Ein Kind zieht sich von Freunden, Familie oder Hobbys zurück. Es spricht weniger, macht weniger mit und wirkt schwerer erreichbar. Oft ist das eine normale Phase. Es kann aber auch ein Signal sein, dem Eltern in Ruhe nachgehen sollten.
- Rumination Disorder (Rumination)
Bei der Ruminationsstörung würgt ein Kind schon geschluckte Nahrung immer wieder mühelos hoch, kaut sie erneut und schluckt sie herunter oder spuckt sie aus, ohne dass eine körperliche Erkrankung dahintersteckt.
S
- Sackgasse
„In der Sackgasse" ist das Gefühl, keinen Ausweg mehr zu sehen: nichts hilft, die Kraft fehlt, für morgen fällt kein Grund zur Hoffnung ein. Ein häufiger Zustand bei Dauerbelastung, aus dem Wege herausführen.
- Scham (Elternscham)
Elternscham ist das schmerzhafte Gefühl, als Mutter oder Vater „nicht gut genug" zu sein. Ausgelöst wird sie oft durch Vergleiche, kritische Blicke oder eigene hohe Ansprüche. Sie unterscheidet sich von Schuld und kann Eltern im Alltag stark belasten.
- Schlafentzug als Dauerbelastung
Schlafentzug als Dauerbelastung beschreibt den Zustand, wenn anhaltender Schlafmangel, zum Beispiel durch nächtliche Kinderbetreuung, Körper und Psyche so stark belastet, dass er zu einem zentralen Treiber von Erschöpfung und Burnout wird.
- Schlechtes Gewissen
Das anhaltende Gefühl vieler Eltern, dem eigenen Kind nicht genug gerecht zu werden oder an dessen Erkrankung schuld zu sein. Meist ist es stärker als die tatsächliche Verantwortung.
- Schub (bei Essstörung)
Ein Schub ist eine vorübergehende Verschlechterung der Symptome nach einer stabileren Phase. Er gehört zum wellenförmigen Verlauf psychischer Erkrankungen und bedeutet keinen verlorenen Fortschritt.
- Schulangst
Schulangst bedeutet, dass ein Kind echte körperliche Angst vor der Schule oder dem erlebt, was dort passiert. Mit Faulheit oder schlechtem Willen hat das nichts zu tun. Der Körper schlägt Alarm, obwohl keine direkte Gefahr besteht.
- Schulbegleitung (Integrationshilfe)
Eine Schulbegleitung, auch Integrationshilfe genannt, ist eine Person, die ein Kind mit besonderem Unterstützungsbedarf im Schulalltag begleitet. Sie hilft dem Kind, am Unterricht teilzuhaben, wenn es das alleine noch nicht schafft.
- Schuldgefühle (Elternperspektive)
Schuldgefühle sind das belastende Empfinden, als Mutter oder Vater nicht gut genug zu sein oder etwas falsch gemacht zu haben. Bei Eltern-Burnout verstärken sie die Erschöpfung zusätzlich. Am stärksten melden sie sich oft genau dann, wenn die Kräfte am geringsten sind.
- Schule informieren oder nicht? (Schweigepflicht und Offenheit abwägen)
Ob Eltern die Schule über eine psychische Diagnose ihres Kindes informieren, ist ihre freie Entscheidung. Eine Meldepflicht gibt es nicht, wohl aber Gründe für und gegen eine Offenlegung.
- Schulkooperation bei ADHS (Zusammenarbeit mit Lehrkräften gestalten)
Schulkooperation bei ADHS meint die abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkräften und Schule, damit ein Kind mit ADHS im Unterricht die passende Unterstützung bekommt. Sie umfasst Gespräche, klare Absprachen und den Nachteilsausgleich.
- Schulleistungsangst (Elternperspektive)
Schulleistungsangst ist eine ausgeprägte Angst vor schulischem Versagen, die im entscheidenden Moment das Denken blockiert. Eltern erfahren hier, woran sie sie erkennen und wie sie ihr Kind entlasten.
- Schulverweigerung
Schulverweigerung bedeutet, dass ein Kind über längere Zeit nicht zur Schule geht. Dahinter können Angst, Überforderung oder Protest stecken. Eltern haben dabei nichts falsch gemacht. Das Verhalten zeigt, dass das Kind Hilfe braucht und die Ursache gefunden werden muss.
- Selbstfürsorge (Self-Care)
Selbstfürsorge heißt, die eigenen Bedürfnisse nach Ruhe, Schlaf und Kontakt ernst zu nehmen. Für Eltern unter Dauerbelastung ist sie die Grundlage, um über Monate und Jahre belastbar zu bleiben.
- Selbstmitgefühl (Self-Compassion)
Selbstmitgefühl (englisch self-compassion) beschreibt, sich selbst in schweren Momenten so freundlich zu begegnen wie einem guten Freund. Für Eltern unter Dauerbelastung ist es eine erlernbare Haltung gegen Selbstkritik und Schuldgefühle.
- Selbstwirksamkeitserwartung
Die Selbstwirksamkeitserwartung ist die innere Überzeugung, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Sie stärkt Kinder wie erschöpfte Eltern.
- Self-Care (Selbstfürsorge)
Siehe Selbstfürsorge
- Self-Compassion (Selbstmitgefühl)
Siehe Selbstmitgefühl
- Somatic Practices / Somatische Ansätze
Somatische Ansätze (somatic practices) regulieren seelische Anspannung über den Körper: über Körperwahrnehmung, Atmung, Bewegung und Erdung. Sie können eine Therapie begleiten, ersetzen sie aber nicht.
- Soziale Isolation
Soziale Isolation ist ein messbarer Mangel an sozialen Kontakten. Bei Eltern kranker Kinder entsteht sie oft schleichend und belastet über die Zeit Körper und Psyche.
- State of vital exhaustion (Zustand vitaler Erschöpfung)
Beschreibung für Burnout im ICD-10. (Teil von ICD-10: Z73.0)
- Stimming (Selbststimulation)
Stimming (Selbststimulation) meint sich wiederholende Bewegungen, Geräusche oder Sinnesreize, mit denen sich vor allem autistische Kinder und Kinder mit ADHS selbst regulieren. Meist ist es sinnvoll und beruhigend. Es ist kein Tick, den man abgewöhnen muss.
- Störungen sozialer Funktionen im Kindesalter
Unter dem Schlüssel F94 fasst die ICD-10 Störungen zusammen, bei denen das soziale Verhalten eines Kindes verändert ist: selektiver Mutismus, reaktive Bindungsstörung und Bindungsstörung mit Enthemmung.
- Stress
Stress ist die körperliche Alarmreaktion auf Belastung. Kurzer Stress ist harmlos, anhaltender belastet Schlaf, Konzentration und Gesundheit von Kindern.
- Stresstoleranz
Stresstoleranz ist die Fähigkeit, Belastung auszuhalten, ohne dass Körper und Psyche überlasten. Bei Dauerstress sinkt sie und lässt sich durch Erholung, Ressourcen und Ruhe fürs Nervensystem wieder stärken.
- Systemische Therapie
Systemische Therapie versteht die Probleme eines Kindes im Zusammenhang mit seinen Beziehungen und bezieht die Familie aktiv ein. Seit 2024 ist sie auch für Kinder und Jugendliche eine Kassenleistung.
T
- Therapeutenwechsel (Wenn der erste Therapeut nicht passt)
Ein Therapeutenwechsel meint den Übergang von einer Psychotherapie-Praxis zu einer anderen, meist weil zwischen Kind und Therapeut keine vertrauensvolle Beziehung entsteht. Eltern haben das Recht dazu.
- Therapeutische Pause vs. Therapieabbruch (Unterschied erkennen)
Eine therapeutische Pause ist eine geplante, abgesprochene Unterbrechung der Behandlung mit Rückkehrplan. Ein Therapieabbruch beendet die Therapie ungeplant und ohne Absprache. Der Unterschied entscheidet über Risiken und weitere Schritte.
- Therapeutisches Fenster verpassen (Angst, den richtigen Zeitpunkt zu versäumen)
Die Sorge, den richtigen Zeitpunkt für eine Behandlung zu verpassen. Frühe Hilfe verbessert bei vielen Themen den Verlauf, ein starres Zeitfenster mit Ablaufdatum gibt es bei den meisten kinderpsychischen Themen aber nicht.
- Therapieabbruch (Kindperspektive)
Von einem Therapieabbruch aus Kindperspektive spricht man, wenn ein Kind oder Jugendlicher eine laufende psychotherapeutische Behandlung vorzeitig beendet. Häufige Gründe sind Überforderung, eine fehlende Passung zur Therapeutin oder erste Erfolge, die die Therapie plötzlich unnötig erscheinen lassen. Das kommt öfter vor, als viele Eltern denken, und ist kein Versagen.
- Therapiemüdigkeit (Elternteil)
Therapiemüdigkeit meint die Erschöpfung von Eltern nach langer Behandlung ihres Kindes: viele Termine, kleine Fortschritte, wachsende Zweifel. Sie ist eine nachvollziehbare Reaktion auf eine Dauerbelastung.
- Therapiepause aushalten (Elternperspektive)
Eine geplante Therapiepause ist eine abgesprochene Unterbrechung der Psychotherapie. Dieser Beitrag zeigt Eltern, wie sie die Unsicherheit aushalten, was sie in der Pause tun können und woran sie eine nötige Rückkehr erkennen.
- Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) ist eines der von den Krankenkassen bezahlten Richtlinienverfahren. Sie geht davon aus, dass hinter den Beschwerden eines Kindes unbewusste seelische Konflikte stehen, und arbeitet fokussiert an dem Konflikt, der gerade am meisten belastet.
- Tiredness (Müdigkeit)
Gefühl von Schläfrigkeit oder Mangel an Energie. (Teil von ICD-10: R53.83)
- Trigger
Ein Trigger ist ein Reiz, der bei einem Kind eine starke, oft überschießende Reaktion oder ein Symptom auslöst. Eltern können solche Auslöser erkennen und begleiten, ohne das Kind vor jedem Reiz abzuschirmen.
- Tristesse / Trister Alltag
Tristesse meint das anhaltende Grau-in-Grau-Empfinden, wenn der belastende Familienalltag die Freude verschluckt. Sie ist ein häufiges Warnsignal für Überlastung, das Eltern ernst nehmen dürfen.
Ü
- Überengagement (Helicopter Parenting)
Überengagement (auch „Helicopter Parenting“) beschreibt ein Erziehungsverhalten, bei dem Eltern ihr Kind so eng begleiten und absichern, dass es kaum Raum für eigene Erfahrungen bekommt. Das geschieht aus guter Absicht, wird auf Dauer aber für alle Beteiligten anstrengend.
- Überfordert
„Überfordert“ beschreibt aus Elternsicht den Punkt, an dem die Anforderungen dauerhaft größer sind als die eigene Kraft. Hält dieser Zustand an, lohnt ein genauer Blick und rechtzeitige Entlastung.
- Übergabe an Fachkräfte (Loslassen lernen)
„Übergabe an Fachkräfte" beschreibt den Moment, in dem Eltern ihr Kind bewusst in die Hände von Therapeut:innen, Ärzt:innen oder anderen Fachkräften geben. Loslassen gehört dazu. Und zwar ohne das Gefühl, damit versagt zu haben.
V
- Verhaltenstherapie (Behavior Therapy)
Verhaltenstherapie ist eines der vier von den Krankenkassen bezahlten Psychotherapie-Verfahren. Sie geht davon aus, dass Verhalten gelernt wird und sich wieder verändern lässt, und bezieht Eltern bei Kindern eng ein.
- Verzweiflung
Verzweiflung beschreibt bei Eltern das Gefühl, in der Begleitung eines kranken Kindes mit den eigenen Kräften am Ende zu sein. Hält sie an, ist sie ein Grund, selbst Hilfe zu holen.
- Vomiting associated with other psychological disturbances
ICD-10-Code für Erbrechen im Zusammenhang mit anderen psychischen Störungen (nicht Bulimie)
W
- Wahrnehmungsstörung
Eine Wahrnehmungsstörung bedeutet, dass ein Kind Sinnesreize wie Sehen, Hören oder Berührung anders verarbeitet als erwartet. Der Begriff beschreibt Schwierigkeiten beim Aufnehmen, Ordnen und Verknüpfen von Reizen. Eine eigene Diagnose ist er nicht.
- Wartelisten-Limbo
Der „Wartelisten-Limbo" beschreibt das zermürbende Warten auf einen Therapieplatz für das Kind. Eltern wissen in dieser Phase oft nicht, was sie tun sollen, während die Belastung zuhause weiter wächst.
- Wartezeit aktiv nutzen (Überbrückungsstrategien bis zum Therapiebeginn)
Zwischen dem ersten Verdacht und dem Start einer Psychotherapie liegen oft mehrere Monate. In dieser Zeit gibt es konkrete Anlaufstellen und kleine Schritte, die Ihrem Kind und Ihnen Halt geben.
- Wartezeit auf Therapieplatz
Die Wartezeit auf einen Therapieplatz ist der Zeitraum zwischen der ersten Kontaktaufnahme mit einer therapeutischen Praxis und dem tatsächlichen Beginn der Psychotherapie. Bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten dauert das oft mehrere Monate. Das ist für Familien belastend. Trotzdem gibt es konkrete Schritte, die Eltern schon jetzt gehen können.
- Wartezeit-Erschöpfung
Wartezeit-Erschöpfung beschreibt den Zustand tiefer Müdigkeit, Kraftlosigkeit und emotionaler Überlastung, der bei Eltern entsteht, wenn sie über Wochen oder Monate auf einen Therapie- oder Diagnostikplatz für ihr Kind warten. Der Alltag muss in dieser Zeit trotzdem weiterlaufen.
- Willensstark
Wenn Eltern ihr Kind mit Magersucht als besonders „willensstark" und diszipliniert erleben, steckt oft die Erkrankung selbst dahinter. Eiserne Kontrolle über Essen und Körper kann ein frühes Warnzeichen sein.
Z
- Z55-Z65 (ICD-10)
Diagnosecode-Gruppe für Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen (sozioökonomische und psychosoziale Umstände)
- Z63 (ICD-10)
Diagnosecode-Gruppe für Probleme im Zusammenhang mit der engeren Bezugsgruppe, einschließlich familiärer Umstände
- Z73 (ICD-10-CM)
Diagnosecode-Gruppe für Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
- Z73.0 (ICD-10-CM)
Diagnosecode für Burnout: der Zustand, wenn jemand über lange Zeit mehr gegeben hat, als er wieder auffüllen konnte, und der Tank irgendwann leer ist.
- Zappelig
"Zappelig" beschreibt ein Kind, das kaum still hält, viel in Bewegung ist und einen starken Bewegungsdrang zeigt. Es ist ein Alltagswort, keine Diagnose.